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Veranstaltungsformat Teil I: Digital-Veranstaltung

Veranstaltungsformat Teil II: Präsenz-Veranstaltung (Remondis Lippewerk in Lünen) oder Online

Kreislaufwirtschaft als Lösung für mehr Nachhaltigkeit

Es ist eine weltweit beunruhigende Entwicklung: Um 80 bis 100 Prozent haben sich zuletzt viele wichtige Rohstoffpreise verteuert. Ein weiterer Anlass, sich über eine verstärkte Kreislaufwirtschaft Gedanken zu machen. Als Idee zur Reduktion von Emissionen und Ressourcen gestartet, entwickelt sich die Kreislaufwirtschaft immer mehr zur Alternative in unsicheren Pandemie-Zeiten mit unzuverlässigen weltweiten Lieferketten. Rohstoffe, die bereits im eigenen Land in Produkten verborgen liegen, müssen so nicht mehr importiert werden. Voraussetzung, um diese Chance für die heimische Wirtschaft zu nutzen, ist ein recyclingfähiges Produktdesign und eine Abfallbewirtschaftung, die konsequent auf die stoffliche Verwertung ausgerichtet ist.  

Bei einer Führung durch Europas größtes Zentrum für industrielles Recycling, dem Lippewerk in Lünen, können Sie live den Wiederaufbereitungsprozess von vermeintlichen Abfällen zu wiederverwendbaren Rohstoffen miterleben. Am Standort eines ehemaligen Aluminiumwerks in Lünen angesiedelt, beherbergt der Recyclingpark heute unter anderem Anlagen für die Aufbereitung und Verwertung von Gips aus Rauchgasentschwefelungsanlagen, Chemikalien, Holz, Kunststoff, Elektroaltgeräten und nicht-fossilen Brennstoffen. In zwei praxisorientierten Impulsvorträgen werden Ihnen zudem Handlungsempfehlungen und Best Practice Beispiele dafür geboten, wie Sie Ihre Produkte noch nachhaltiger und recyclingfähiger gestalten können und durch eine Optimierung der innerbetrieblichen Abfallbewirtschaftung ganz konkrete Kosten- und C02-Einsparungen realisieren können.

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Dienstag, 29. März 2022

Online

TEIL I: "Deutschland auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft"

Beginn und Begrüßung: 15:00 Uhr

Thomas Frye, IHK Arnsberg

Cradle to Cradle – für einen großen positiven Fußabdruck

Isabel Gomez, Cradle 2 Cradle NGO

Kreislaufwirtschaft im deutschen Mittelstand am Beispiel der WEPA Gruppe

Frank Folcz, WEPA Gruppe

Kreislaufwirtschaft in der Praxis: BlackSatino Hygienepapier

Julia Paul, WEPA Gruppe und David Jeche, Röhrtaler Wertstoff GmbH

Moderation

Serge Esterlein, IHK Arnsberg

Schlusswort TEIL I: 17:00 Uhr

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Donnerstag, 31. März 2022

Ort: Remondis Lippewerk, Brunnenstraße 138, 44536 Lünen

oder

Online

TEIL II: "Kreislaufwirtschaft in der Praxis: Ein Werksbesuch – Produkte recyclingfähig gestalten und Abfälle vermeiden"

Fortsetzung und Begrüßung: 15:00 Uhr

Thomas Frye, IHK Arnsberg

Auf die Teilnehmenden abgestimmte Werksbesichtigung

Führung durch das Lippewerk – Europas größtem Recyclingzentrum  

Michael Schneider, Pressesprecher und Nelson Michalski, Unternehmenskommunikation der REMONDIS Gruppe

Dos and dont's für ein recyclingfähiges Produktdesign

Michael Schneider, Pressesprecher REMONDIS Gruppe

Motivation Green: Bauen, als ob es ein Morgen gäbe. Nachhaltigkeit bei Schüco

Lars Knöner, Head of Sustainability Projects der Firma Schüco

Abschlussdiskussion mit Plenum

Alle Referenten, Moderation: Dr. Timon Haasis, Remondis Südwestfalen GmbH

Schlusswort TEIL II: 18:00 Uhr

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Kreislaufwirtschaft: Sekundärrohstoffe oft besser als das Original

Wie gelingt die Kreislaufwirtschaft mit einem möglichst vollständigen Rohstoffkreislauf in der Wirtschaft? Benötigt wird ein ganzheitlicher Ansatz, der bei der Konstruktion und dem richtigen Einsatz der Materialen beginnt. „Cradle to Cradle“ oder „Von der Wiege bis zur Wiege des nächsten Produktes“ verlangt eine weitgehende Transformation der industriellen Prozesse.

Das wurde Ende März bei einer Online-Veranstaltung der IHK Arnsberg deutlich, an die sich zwei Tage später eine Werksbesichtigung des größten Recyclingwerks Europas in Lünen anschloss. „Echte Kreislaufwirtschaft bedeutet ein Umdenken in der gesamten Wertschöpfungskette, die bisher nur „von der Wiege bis zur Bahre“ verläuft“, postulierte Isabel Gomez (Cradle to Cradle e.V., Berlin). Das greife aber deutlich zu kurz, denn es reiche dabei nicht aus, Dinge und Materialien in irgendeiner Form wiederzuverwenden, sondern auch die Verträglichkeit mit Mensch und Natur zu beachten. Eine Tasche aus einer alten LKW-Plane verlängere zwar die Lebensdauer eines Stoffs, ändere aber nichts an möglicherweise umwelt- und gesundheitsschädlichen Chemikalien in dem Ausgangsmaterial. Ein Produkt müsse dabei so gestaltet sein, dass es ohne Probleme demontierbar sei und so eine getrennte Verwertung der Ausgangsprodukte ermögliche. Bei Textilien etwa müsse darauf geachtet werden, dass keine umweltschädlichen Chemikalien eingesetzt werden, da beim Tragen und Waschen kleinste Mikropartikel in die Umwelt gelangen. Doch wie lässt sich eine solche Kreislaufwirtschaft in der betrieblichen Praxis realisieren?

Seit vielen Jahren versucht die WEPA-Gruppe darauf eine Antwort zu finden. Frank Folcz, Werksleiter des Hygienepapierherstellers am Standort in Marsberg-Giershagen, erläuterte die besondere Marktstellung des größten Herstellers solcher Handelsmarken in Europa. Dabei schreibt WEPA sich auf die Fahnen, der „nachhaltigste und agilste Partner“ bei Hygienelösungen zu sein. Am größten Produktionsstandort der Gruppe in Giershagen bedeutet dies den vermehrten Einsatz von Recyclingfasern bei Papier-Taschentüchern und Handtuchpapieren. Dafür hat das Unternehmen erheblich in Anlagentechnik und zusätzlich in Maßnahmen zur Energie-Effizienz investiert. Mindestens 60 Prozent der Produkte sollen bis 2025 aus Recyclingfasern bestehen und so die Stellung als größter Hersteller von Recyclingerzeugnissen in der Branche weiter ausbauen soll. Mit dem im Kreislauf geführten Handtuchpapier „Black Satino“ experimentiert WEPA mit einem geschlossenen Stoffkreislauf und kooperiert dabei mit Partnern vor Ort wie der Röhrtaler Wertstoff GmbH. Der Verwerter sammelt gebrauchte Papierhandtücher bei Großverbrauchern in der Region, verpresst und lagert die Wertstoffe und führt sie weitgehend sortenrein erneut der WEPA-Produktion zu. 

Im zweiten Teil der Veranstaltung besuchten rund 30 Unternehmensvertreter das Lippewerk von Remondis, Europas größtem Recyclingwerk. Dabei ist das Werk selbst ein Recyclingprodukt. Es war ursprünglich in den 1930er Jahren als Aluminiumwerk in Betrieb gegangen und später in den 1980er Jahren von Remondis zum Recyclingstandort umgebaut worden. Heute verwertet das Lippewerk XXXX Tonnen pro Jahr und führt dabei Bio-Kraftstoffe, verschiedenste Metalle, Erden sowie chemische Erzeugnisse in den Wirtschaftskreislauf zurück. Sogar Strom speist das Werk als „Abfallprodukt“ in das Netz ein. Recyclingmaterialien würden oft als Sekundärrohstoffe bezeichnet, was nach Ansicht von Unternehmenssprecher Michael Schneider der wahren Bedeutung der wiedergewonnenen Materialien nicht gerecht werde. Um eine Tonne Aluminium neu herzustellen, benötige man etwa 500 Tonnen Bauxit, dessen Verarbeitung energieintensiv und mit erheblichen Umweltauswirkungen verbunden sei. Dieselbe Tonne Aluminium könne aus 14 Tonnen Elektroschrott wesentlich energie- und umweltschonender gewonnen werden. Daher seien Recyclingmaterialien eigentlich Primärrohstoffe erster Güte, so Schneider.

Zum Abschluss der Veranstaltung stellte Lars Knöner, Head of Sustainability Projects beim Fensterhersteller SCHÜCO (Bielefeld), die Nachhaltigkeits-Strategie des Unternehmens vor. Der Strategie-Experte betont den Stellenwert der Wiederverwendbarkeit von Materialien im Bausektor. Im besten Fall lasse sich ein Gebäude vollständig demontieren und mit denselben Elementen an anderer Stelle wieder aufbauen. SCHÜCO achtet bei der Entwicklung seiner Produkte darauf, dass sie leicht auseinandergenommen werden können und Materialien wie Aluminium und Kunststoffe wiederverwertbar sind. Verbundstoffe sind dabei ein absolutes Tabu, da sie nur unter hohem Aufwand zu recyceln sind, wie auch Michael Schneider von Remondis betont. Er kenne kaum ein Recyclingwerk, das mehr als 4 Tonnen Verbundmaterialien recyceln könne. Bei der Verbrennung lösten sich die Kunstharze im Verbundmaterial und beschädigten die Recyclinganlage, sodass sie teilweise über Wochen ausfallen könne, so Schneider. SCHÜCO sieht folglich ein erhebliches Wertstoff-Potenzial im Bauelemente-Recygling. „Allen voran natürlich in den Großstädten. Sie sind die Minen der Zukunft, denn hier sind Steine, Metalle, seltene Erden oder Kunststoffe in großen Mengen vorhanden“.

„Kreislaufwirtschaft im Sinne von „Cradle to Cradle“ wird in ihrer ökonomischen Wirkung noch deutlich unterschätzt“, zog IHK-Nachhaltigkeitsreferent Serge Esterlein ein Fazit der Veranstaltung. Die IHK diesen Faden der Nachhaltigkeit weiter spinnen und auch künftig gute Beispiele aus der heimischen und weitern Unternehmenslandschaft ermitteln. Er rief dazu auf, sich über das Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsnetzwerk in diesen Informationstransfer einzubringen.