Konjunktur-Pressekonferenz zum Jahresbeginn 2020
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Foto (v.l.): Nicolas Heiderich (REWE-Markt, Anröchte), Martin Feldhaus (Feldhaus Bauunternehmung, Schmallenberg), IHK-Präsident Andreas Rother (ahd, Ense), Alexander Koch (HEKO Ketten, Wickede), IHK-Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange, IHK Chef-Volkswirt Stefan Severin, Danny Meurs (Vakantiehotel Der Brabander, Winterberg) und Friedrich Knipschild (HUNAU – Reisen Ferdinand Knipschild, Schmallenberg).

Wirtschaft weiter gut ausgelastet


„Der Negativtrend ist vorerst gestoppt“, kommentiert IHK-Präsident Andreas Rother die Ergebnisse der Umfrage der Industrie- und Handelskammer Arnsberg zum Jahresbeginn. Die wirtschaftliche Lage ist branchenübergreifend stabil, die Erwartungen an das gerade begonnene Jahr bleiben hingegen gering. An der Umfrage beteiligten sich etwa 450 Unternehmen. Viele von ihnen sehen eines der größten Entwicklungshemmnisse in den überbordenden Bürokratielasten.


Der IHK-Konjunkturklimaindikator – er berücksichtigt Lage- und Erwartungsurteile – liegt mit 110 Punkten weiter im Wachstumsbereich. Im Laufe des Jahres ist er von 119 zu Jahresbeginn über 111 im Herbst auf nun 110 gefallen. „Der jetzige Wert lässt hoffen, dass der seit Anfang 2018 anhaltende Negativtrend beendet ist“, erläutert Andreas Rother und betont: „Ein weiteres Abgleiten erwarten wir nicht, erst recht keine Rezession. Die Wirtschaft wird 2020 mit niedrigen Raten wachsen.“

Konjunkturklima zum Jahresbeginn 2020

Ausschlaggebend für diese Einschätzung sei, dass noch immer über 90 Prozent der Unternehmen ihrer derzeitigen Lage mindestens ein „befriedigend“ geben. Trotz negativer Voraussagen hat sich in der Region der Export 2019 als stabile Größe gezeigt. „Die befürchteten Auswirkungen globalwirtschaftlicher Veränderungen wie Protektionismus, Handelsstreit und Brexit sind bislang ausgeblieben“, so IHK-Hautgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange. Der Brexit werde bis zum Jahresende zu keinen schweren Verwerfungen im Handel führen. „Derzeit stehen in der Industrie weniger die außenwirtschaftlichen Unsicherheiten im Vordergrund, sondern vor allem der Strukturwandel in der Automobilindustrie“, bemerkt Dr. Lange.

Für 2020 gehen 60 Prozent der Unternehmen davon aus, dass die Geschäfte unverändert bleiben, fast 16 Prozent erwarten eine Verbesserung. Allerdings kalkulieren 24 Prozent mit einer Verschlechterung. Mehrheitlich pessimistisch in das neue Jahr gegangen sind Industrie, Handel und Verkehrswirtschaft. Gleichwohl sind die Aussichten in der Industrie deutlich weniger trüb als noch im vergangenen Herbst. Die Bauwirtschaft und das Gastgewerbe hingegen sind optimistisch. „Der Konsum bleibt auch 2020 eine wichtige Konjunkturstütze. Viele Händler fürchten jedoch, dass das Nachlassen der gesamtwirtschaftlichen Dynamik auf Sicht auch den privaten Verbrauch drücken wird“, erklärt IHK-Chefvolkswirt Stefan Severin.

Die Investitionsneigung ist insgesamt positiv. Lediglich die Bauwirtschaft fährt ihr Engagement herunter. Als Konsequenz der überaus hohen Auslastung investieren die Unternehmen vor allem in den Ersatz (53 %). Zudem melden 33 Prozent als Motiv die Rationalisierung. Kapazitätserweiterungen spielen mit 28 Prozent eine sichtbar geringere Rolle als noch vor einem Jahr mit 40 Prozent. Andreas Rother bemerkt dazu: „Die Investitionsmotive zeigen, dass die Unternehmer weiter mit ordentlichen Geschäften rechnen. Darum investieren sie in die vorhandenen Produktionsmittel. Zusätzliche Geschäfte spielen derzeit eher eine untergeordnete Rolle.“

Gefragt nach den Konjunkturrisiken wird weiter vor allem der Fachkräftemangel genannt. Es folgen „Inlandsabsatz“ und „Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen“. Um den Inlandsabsatz machen sich vor allem die Industrieunternehmen sorgen. Etwa 70 Prozent von ihnen sehen hier eine Gefahr für die Konjunktur. Das gilt vor allem für die Metall- und Elektroindustrie sowie den Maschinenbau.

Bei den „Wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen“ werden explizit Bürokratiebelastungen in all ihren Facetten genannt. „Die Unternehmen in Deutschland benötigen einen spürbaren Bürokratieabbau. Vor allem kleinere Unternehmen in der Gastronomie beklagen, dass die vielen Anfragen, Vorschriften und Vorgaben die Arbeit empfindlich stören“, fordert Rother.

Industrie, Dienstleister und Verkehrswirtschaft verkleinern ihre Belegschaften. Bauwirtschaft, Handel und Tourismus stellen hingegen ein. Insgesamt ist der Personalaufbau der vergangenen Jahre vorerst beendet. „Nach wie vor ist die Beschäftigung hoch und damit auch die Kaufkraft stabil. Anzeichen dafür, dass sich ein geringeres Beschäftigungsniveau nachhaltig negativ auf die gesamtwirtschaftliche Dynamik auswirkt, gibt es derzeit nicht“, sagt IHK-Präsident Rother.

 


Stefan Severin
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