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Veranstaltungsformat: Online

Eigenstrom-Versorgungskonzepte.
Die Dachflächen in Wert setzen.

Viele Dächer von Produktions- oder Lagerhallen sind unproduktiv. Dabei könnte dort mittels Photovoltaik-Anlagen
Strom insbesondere zur Eigennutzung erzeugt werden. Das würde zur spürbaren Kostenreduktion beitragen
und gleichzeitig die Klimabilanz verbessern. Mit einer individuell auf das Lastprofil zugeschnittenen Photovoltaikanlage
werden Nachfragespitzen vermieden und der Strombedarf zu großen Teilen abgedeckt. Zudem kann mit
heutiger Technologie der nicht direkt verbrauchte Solarstrom gespeichert oder in andere Energieträger (z. B. Wasserstoff)
zur späteren Verwendung umgewandelt werden.

Mittwoch, 9. Juni 2021

Beginn: 14.30 Uhr

Begrüßung und Vorstellung der Veranstaltungsreihe „Energiewende und Klimaschutz in der Wirtschaft“
Thomas Frye, IHK Arnsberg

Watt aus eigener Hand - Mit eigenem Solarstrom Energiekosten senken
Referent: Rüdiger Brechler, Energieagentur NRW, Wuppertal

Online - Kaffeepause

Best Practice aus der Metall-Umformung: Stromerzeugung selbst gemacht - auf Dach- und Freiflächen
Referent: Ulrich Häken, Franz Pauli GmbH & Co. KG, Ense

Auf die Kernkompetenzen konzentrieren – Contracting hilft
Referent: Max Griebenow, Stadtwerke Soest GmbH

Ende: 17.00 Uhr

Zusammenfassung:

"Eigenstrom-Verbrauch ist Schlüssel zur Rendite“

Immer mehr Unternehmen entscheiden sich dafür, ihre meist großen Hallendächer zur Stromerzeugung zu nutzen. „Das macht vor allem dann Sinn, wenn die erzeugte Energie direkt selbst verwendet werden kann“, erläuterte Rüdiger Brechler (Energieagentur) den rund 60 Teilnehmern des bereits 6. Webinars der IHK-Veranstaltungsreihe „Energiewende und Klimaschutz“.

Derzeit kosten Anlagen der Größe 100 bis 750 kWp ungefähr 800 €/kWp und amortisieren sich nach etwa 5 bis 10 Jahren. Zugegeben sind 10 Jahre eine vergleichsweise lange Zeit für einen industriellen Betrieb, dennoch kann sich die interne Verzinsung mit ca. 9 % durchaus sehen lassen, ist Brechler überzeugt. In über 25 Jahren könne dabei schnell ein Reingewinn von mehreren Hunderttausend Euro zusammenkommen, so der Experte. Dabei spiele es keine Rolle, ob man ein PV-Contracting oder ein PV-Pachtmodell wähle. Brechler: „Für den Klimaschutz ist das in jedem Fall ein Gewinn, da sich ein Großteil der Industrie durch eine PV-Anlage auf dem eigenen Gelände beim Stromverbrauch klimaneutral und autark stellen kann“. Da die meisten Betriebe ihre Lastspitzen über den Tag verteilt abriefen, sei hierfür noch nicht einmal ein Speicher nötig.

Als Partner bei der Installation von PV-Anlagen unterstützen die Stadtwerke Soest private und gewerbliche Kunden mit ihrem Angebot. Auf die richtige Größe der Anlage komme es an, so Max Griebenow von den Stadtwerken Soest. „Dabei richtet sich die optimale Größe der Anlage nach dem Eigenstromverbrauch des Unternehmens“ sagt er. Das Einspeisen von Strom sei nach den derzeit geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen nicht immer sinnvoll. Ebenso sei eine Süddachlage keine Grundvoraussetzung mehr für eine profitable PV-Anlage. Heutzutage seien Ost-West-Lagen genauso wirtschaftlich. Grundsätzlich kann man bei gewerblichen Kunden keine Pauschalaussage über die Wirtschaftlichkeit treffen, da jeder Kunde sehr spezifisch in seinen Bedürfnissen und Potenzialen sei. Dabei spielen neben der zur Verfügung stehenden PV-Fläche und des Strombedarfs auch die Strombedarfs-Zeit eine wichtige Rolle. „Unternehmen mit hoher Nachtaktivität z.B. im Mehrschichtbetrieb sind dabei natürlich im Nachteil“, pflichtete ihm Rüdiger Brechler bei. Da könne es auch Sinn machen, einen Batteriespeicher einzusetzen.

Den Beleg der Praxistauglichkeit lieferte die Franz Pauli GmbH & Co. KG. Ulrich Häken, Leiter Beschaffung/Umwelt- und Energiemanagement des Enser Unternehmens, berichtete, dass die hauseigene PV-Anlage rund 500 Tsd. kWh produziert und damit einen beträchtlichen Teil des Energiebedarfs deckt. Perspektivisch möchte das Unternehmen nun seinen eigenen Mitarbeitern und Gästen das Auftanken von Strom am Werksgelände ermöglichen. Zusätzlich soll mittelfristig der Firmen-Fahrzeug-Pool auf E-Fahrzeuge umgestellt werden.

Schließlich kann das Thema Dachbegrünung für die optimale Nutzung von PV-Anlagen eine signifikante Rolle spielen. Da PV-Anlagen bei zu großer Hitze nicht optimal laufen, kann eine gut geplante Dachbegrünung die Hitzespitzen reduzieren und so die Stromerzeugung um bis zu 5 % erhöhen. Daher macht es in jedem Fall Sinn eine ganzheitliche Betrachtungsweise zu wählen und eine Dachbegrünung zu erwägen. Nicht zuletzt kann eine PV-Anlage insbesondere auch in Verbindung mit einer Dachbegrünung auch aus Marketinggesichtspunkten genutzt werden. Nachhaltig handelnde Unternehmen sind attraktivere Arbeitgeber und werden immer häufiger auch von Kunden wertgeschätzt.

09.06.2021