Foto: Thaut Images - stock.adobe.com

Veranstaltungsformat: Kostenfreie Online-Veranstaltung

EU Green Deal - Was bringt die Zukunft?

Ein Emissionshandel auch für Gebäude, verschärfte CO2-Flottengrenzwerte, neue Energiesteuern und vieles mehr: Das "Fit for 55"-Gesetzespaket, mit dem die EU-Kommission bis 2030 eine Senkung des Treibhausgasausstoßes um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 erreichen möchte, betrifft die Wirtschaft auf breiter Front. Welche Anforderungen an die Wirtschaft ergeben sich aus dem „Fit for 55“-Gesetzespaket und wie wird sich der europäische Emissionshandel verändern müssen? Antworten auf diese Fragen geben Vertreter der EU-Kommission, des Europäischen Parlaments und des DIHK. Zu dieser aufschlussreichen Runde lädt Sie die IHK Arnsberg herzlich ein.

Dienstag, 11. Januar 2022

Online

Beginn und Begrüßung: 15:00 Uhr

Thomas Frye, IHK Arnsberg

"Fit for 55" – Was erwartet Brüssel von der Wirtschaft?

Niels Schuster, Generaldirektion Klima der EU-Kommission

EU Green Deal – Chancen und Risiken für die Unternehmen in unserer Region

MdEP Dr. Peter Liese, EVP-Fraktion im EU-Parlament

Der EU Green Deal aus dem Blickwinkel der Unternehmen

Julian Schorpp, DIHK Brüssel

Abschlussdiskussion mit Plenum

Moderation: Serge Esterlein, IHK Arnsberg

Schlusswort: 17:00 Uhr

Zusammenfassung:

Europa mit hohen Ambitionen beim Klimaschutz

Mit einer digitalen Diskussionsrunde zum Europäischen Green Deal startete die IHK Arnsberg Mitte Januar in das 2. Jahr ihrer Klimaschutz-Aktivitäten. Europa gibt mit diesem umfangreichen Gesetzespaket beim Klimaschutz weiterhin ein hohes Tempo vor. Die Harmonisierung der Wettbewerbsbedingungen innerhalb der EU und mit Drittstaaten bleibt dabei eine zentrale Herausforderung auch für die regionale Wirtschaft.

Erst im Juni vergangenen Jahres wurde das sogenannte „Fit for 55“-Gesetzespaket beschlossen. Es soll sicherstellen, dass die EU bis 2030 mindestens 55 Prozent der Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 einspart. „Damit soll Europa auf den Pfad der Klimaneutralität bis 2050 gebracht werden“, erläuterte Niels Schuster aus der Generaldirektion Klima der EU-Kommission. Mit dem neuen Paket sollen Infrastrukturen für alternative Kraftstoffe geschaffen werden und ein CO2-Grenzausgleichssystem entstehen, das Carbon Leakage, die Verdrängung CO2-intensiver Produktion ins Ausland, vorbeugt.

Kernstück des Pakets aber ist die Ausweitung des EU-Emissionshandels (EU-ETS), die für mehr Druck bei klimafreundlichen Investitionen sorgen soll. Deutschland, das derzeit mit seinem nationalen CO2-Preis ein höheres Tempo als der Rest Europas anschlägt und bereits 2045 CO2-neutral wirtschaften möchte, müsste seine nationale CO2-Bepreisung bei einer zunehmenden Ausweitung des ETS auf weitere Teile der Industrie, den Verkehrs- und Gebäudesektor anpassen. Um gleiche Wettbewerbsbedingungen innerhalb Europas zu schaffen, wäre dies im Übrigen dringend geboten ergänzte der heimische Europaabgeordneter Dr. Peter Liese. Als Berichterstatter der EVP-Fraktion zum EU-Emissionshandel erläuterte der aus Bestwig stammende Politiker hierzu exclusiv aus seinem erst am Folgetag veröffentlichten Positionspapier die politische Richtschnur seiner Fraktion.

„Gerade kleinere Betriebe, die nicht im EU-ETS sind und mit ihren Produkten im scharfen internationalen Wettbewerb stehen, haben in der jetzigen Situation kaum eine Chance im innereuropäischen Wettbewerb zu bestehen gibt“, Julian Schorpp, Referatsleiter für Europäische Energie- und Klimapolitik beim DIHK in Brüssel, zu bedenken.

Er sieht gerade mit Blick auf gleiche Wettbewerbsbedingungen Handlungsbedarf, bei dem sich „die EU-Kommission sich nicht einfach wegducken kann“. Liese plädiert grundsätzlich für ein einheitliches und ordnungsrechtlich neutrales Vorgehen, um keine bestimmte Branche oder einen bestimmten Mitgliedsstaat zu benachteiligen. Nur so sei Technologieoffenheit gegeben und massiver Widerstand aus bestimmten Teilen der Wirtschaft sowie Gesellschaft zu vermeiden. Auch bei der geplanten Einstufung von Atom- und Gaskraftwerken als nachhaltig müsse sich die EU-Kommission gerechter positionieren. Der Europaabgeordnete beanstandet vor allem, dass die Atomkraft nahezu ohne Auflagen wegkommt, während an neue Gaskraftwerke erhebliche Effizienzanforderungen gestellt würden. So könnten neue Meiler heute gebaut und finanziert werden, wohingegen die Endlagerfrage erst bis zum Jahr 2050 geklärt werden müsse. Das sei viel zu lange und ein klarer Nachteil gegenüber Gaskraftwerken, die ab dem Jahr 2030 nur noch 100 Gramm CO2 pro erzeugter kWh emittieren dürften. Dies ist dann nur noch mit Wasserstoff als Brennstoff realisierbar. Demgegenüber könnte Wasserstoff im Zweifel auch aus Atomstrom hergestellt werden, wenn dieser ebenfalls als nachhaltig eingestuft wird. Liese zeigt anders als die allgemeine Öffentlichkeit skeptisch, dass die Taxonomie in der Form durch das EU-Parlament abgesegnet wird. Das werde aus seiner Sicht in der Politik nicht ausführlich genug diskutiert.

Die südwestfälische Wirtschaft indes geht beim Thema Klimaschutz weiterhin voran und setzt auf Innovationen. Mit Qualität Made in Germany könne man auf dem Weltmarkt auch höhere Preise durchsetzen, so Dr. Andreas Gahl von der MPG Mendener Präzisionsrohr GmbH. Dem stimmte DIHK-Referent Julian Schorpp grundsätzlich zu, weist aber auch entschieden auf die angespannte Lage vieler Unternehmen in Deutschland hin, die sich auf dem Weltmarkt auch über den Preis differenzieren müssen und denen gestiegene Energiekosten schwer zusetzten.


Serge Esterlein
M.Sc.
Tel: 02931 878-209
Fax: 02931 878-285
E-Mail
Kontaktdaten herunterladen

Franziska Fretter

Tel: 02931 878-162
Fax: 02931 878-285
E-Mail
Kontaktdaten herunterladen