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Energiewende: Mit weniger Bürokratie wäre Vieles leichter

Mit ihrer enormen Bürokratie steht sich die Energiewende oft selbst im Weg. Das hält manchen Unternehmer von der Installation einer PV-Anlage ab, weil der Selbstverbrauch im Betrieb oder für die Elektrofahrzeuge der eigenen Mitarbeiter zur steuerlichen Herausforderung wird.

Es wurde indes klar, dass die Herausforderungen an die Wirtschaft nicht nur bürokratischer Natur sind. Der 2019 angestoßene Green Deal der Europäischen Kommission hat eine Reihe von legislativen Maßnahmen angestoßen, die schon bald in den kommenden Jahren auf nationaler Ebene ihre Wirkung entfalten werden. Der Klimaplan 2030 sah bisher eine Reduktion der europäischen Treibhausgasemissionen um 40 % im Vergleich zu 1990 vor. Dieses Ziel ist nun auf 55 % angehoben worden und bedeutet für die deutsche Wirtschaft, die nicht im europäischen Zertifikate-Handel organisiert ist, eine Reduktion von 60 %. Dies bedeutet eine deutliche Steigerung zu der bisher erreichten Reduktion von 14 % und stellt eine enorme Herausforderung für die deutsche Wirtschaft dar.

Eine der herausgearbeiteten Konfliktpunkte bei der Erreichung dieser Ziele liegt in der Energiewende. Demnach sind die Positionen im Umweltschutz nicht immer deckungsgleich zu den Positionen im Klimaschutz. Die Erschließung von neuen Vorrangflächen für Windkraftanlagen in Regionalplänen ist an die Einhaltung teils strikter Umweltauflagen geknüpft. Hinzu kommt, dass Naturverbände häufig erfolgreich gegen die Errichtung neuer Anlagen aus Vogel- und Umweltschutzgründen klagen. Dem gegenüber steht jedoch der Wirtschaftsraum Südwestfalen als ein herausragender Industriestandort in Deutschland, der auf eine sichere und zuverlässige Energieversorgung angewiesen ist. Knapp 45 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten im produzierenden Gewerbe gegenüber etwa 26 % in ganz Nordrhein-Westfalen. Ein herausragend signifikanter Anteil des Wohlstandes in Südwestfalen geht auf die Stärke der Industrie zurück. Da der Klimawandel eine globale Herausforderung ist, stellt Dr. Christian Dresel, Geschäftsführer der Condensator Dominit GmbH, richtigerweise fest: „Die Chinesen und Amerikaner werden uns die Energiewende und den Klimaschutz nur nachmachen, wenn wir unseren Wohlstand erhalten können.“ Auch deshalb herrschte Einigkeit darüber, dass die Wirtschaft ihren Beitrag zum Gelingen der Energiewende und des Klimaschutzes leisten, die Politik aber auch liefern muss. Das bedeutet konkret den Abbau von Bürokratie-Hemmnissen, Schutz vor außereuropäischer Konkurrenz, die sich nicht an die hohen EU-Standards halten müssen in Form einer schlagkräftigen „Carbon-Leakage-Verordnung“, die Abwanderung von Produktion und CO2 verhindert, den vehementen Ausbau von marktfähigen Power-to-Gas Technologien durch Nutzung von Wind- und Sonnenkraft und mehr.

Die Hausaufgaben-Liste an die Politik ist lang. Dennoch möchten sich die Teilnehmenden der Veranstaltung nicht allein auf die Politik verlassen und suchen stets nach pragmatischen wie praktischen Lösungen für die Herausforderungen des Klimaschutzes. Etwa ein Drittel der Teilnehmer gab an, aus eigenem Antrieb und persönlicher Überzeugung Maßnahmen für den betrieblichen Klimaschutz zu ergreifen. Zudem stellten die Kunden immer höhere Klimaschutz-Anforderungen an ihre Produkte, sodass viele bereits ein nachhaltiges Managementsystem implementiert, PV-Anlagen montiert, Gebäude gedämmt und Prozesse umgestellt haben oder dabei sind dies zu tun.

Daher war das Interesse an der nächsten Veranstaltung groß das Thema CO2-Berechnung mit dem kostenlosen Online-Tool „ecocockpit“ näher zu beleuchten. Auch die Herausforderung der Bürokratie soll angenommen werden: Mit den heimischen Abgeordneten des Bundestages soll demnächst ein konstruktiver Dialog gesucht werden. Die Entwicklungen in diesem Jahr werden spannend zu beobachten sein, nicht nur wegen der Corona-Pandemie, sondern auch wegen der anstehenden Bundestagswahlen im September dieses Jahres.

23. Februar 2021


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