Einführung und Moderation der Diskussion
Serge Esterlein, IHK Arnsberg


Vortrag: Wasserstoff für Nutzfahrzeuge
Dr. Frank Koch, EnergieAgentur NRW


Geführte Diskussion
Experten: Dr. Frank Koch, EnergieAgentur NRW und Prof. Dr. Mark Schülke, Fachhochschule Südwestfalen
Mitgliedsunternehmen der IHK Arnsberg

Zusammenfassung:

Der Vorteil von flüssigen Kraftstoffen für Verbrenner-Motoren ist die sehr hohe Energiedichte. Man benötigt etwa eine Minute, um einen Diesel-PKW vollzutanken und damit 800 Kilometer weit zu kommen. Beim Laden eines Tesla durch einen von Teslas Superchargern (Batterieladesäule des Automobilherstellers Tesla aus den USA) kommt man in einer Minute leider nur etwa 8 Kilometer weit. Da steht ein mit Wasserstoff betriebenes Brennstoffzellenfahrzeugs schon deutlich besser da. Mit einer Minute Tanken kann man ein Wasserstoffauto etwa 115 km weit fahren. Dies ist gerade für Vielfahrer ein signifikanter Vorteil eines Wasserstofffahrzeugs gegenüber Batteriefahrzeugen.

Beim kostensensiblen Nutzfahrzeuggeschäft kommen aber noch weitere Faktoren als der Zeitverlust beim Tanken ins Spiel. Da ist nämlich auch relevant, wie schwer ein Fahrzeug ist. Während ein 44-Tonner mit Diesel betrieben etwa 34,5 Tonnen Nutzlast tragen kann, ist diese bei einem Wasserstoff-LKW nur wenig kleiner. Etwa 34,2 Tonnen Nutzlast könnte ein Wasserstoff-LKW mit 44 Tonnen Gesamtgewicht tragen. Bei dem batterieelektrisch betriebenen 44-Tonner reduziert sich die Nutzlast schon um 20 % auf etwa 27,9 Tonnen. 6,3 Tonnen im Vergleich zum Wasserstoff-LKW, die bei jeder Fahrt fehlen würden. Daher setzen viele Hersteller heute bei den größeren LKW eher auf Wasserstoff als auf die Batterie.

Das Problem heute ist jedoch noch, dass zum einen die Hersteller keine wirklich serienreifen Fahrzeuge liefern können. Zum anderen fehlt auch noch der grüne und damit nachhaltige und klimaneutrale Wasserstoff aus regenerativen Quellen. Die erste Hürde wird wohl innerhalb der nächsten fünf Jahre genommen sein, dann nämlich, wenn der Hyundai XCient, Nikola/Iveco und Daimler breit in die Serie gegangen sind. Daimler plant die Serienreife ab 2025, Nikola/Iveco ab 2023 und Hyundai liefert bereits die ersten Fahrzeuge aus. Die zweite Hürde der Wasserstoff-Versorgung dürfte durch Förderprojekte und Subventionen von der Nationalen Wasserstoffstrategie des Bundes genommen werden. In der Schweiz existiert bereits heute ein funktionierendes Projekt, das Wasserstoff liefert und gleich zu den richtigen Abnehmern findet. Hyundai liefert dort nämlich die bereits marktreifen LKWs unter dem Namen „Hyundai Hydrogen Mobility“ in Partnerschaft mit H2Energy. Die Hydrospider AG kümmert sich um die Produktion des grünen Wasserstoffs aus Wasserkraft. Die Schweizer Supermarktkette MIGROS nutzt diese von Hyundai geliefert XCient Wasserstoff-LKW, um ihre Logistik abzuwickeln. Das Konsortium hat es also heute schon geschafft klimaneutrale Logistik bereitzustellen. Das Ganze soll wohl auch wirtschaftlich allein tragfähig sein. Laut einer Studie von McKinsey soll der Break-Even-Point, der Zeitpunkt also ab dem eine Technologie allein wirtschaftlich ist, bereits gegen Ende der 2020er Jahre erreicht sein. Dieser Studie stehen die Annahmen gegenüber, dass Wasserstoff günstiger und Diesel teurer wird.

Die Aufgaben sind groß, die Chancen aber noch größer. Daher muss die Politik den klimaneutralen und nachhaltigen Technologien zur Marktreife verhelfen. Mit dem Nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) versucht die Bundesregierung genau dies zu tun. Auf der einen Seite sollen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben unterstützt und auf der anderen Seite soll entwickelten Technologien zur Marktreife verholfen werden. Die Region Hellweg-Sauerland eignet sich im Übrigen sehr für die regionale Erzeugung von Wasserstoff, da zeitnah einige Windkraft- und Biogasanlagen aus der EEG-Förderung fallen und ein tragfähiges Geschäftsmodell zur Anschlussfinanzierung suchen. Obwohl auch durch Dampfreformierung von Biogas erzeugter Wasserstoff klimaneutral ist, favorisiert die Bundespolitik die elektrolytische Wasserstofferzeugung, was Potentiale der Region ungenutzt ließe. Das Augenmerk soll aber weiterhin darauf gerichtet werden, um die Chancen der regionalen Wasserstoffproduktion in Südwestfalen zu nutzen.

Donnerstag, 15.04.2021