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Veranstaltungsformat: Online

Nationale und europäische Wasserstoffstrategie.
Wird Wasserstoff unseren Energiehunger stillen können?

Die politische Strategie betrachtet richtigerweise gasförmige Energieträger als notwendig, um die ambitionierten Klima und
Energiewendeziele zu erreichen. Wasserstoff soll dabei eine Schlüsselrolle zukommen, da er als speicherfähiger Energieträger
sektorübergreifend einsetzbar ist und auch als Grundstoff in der Industrie angewendet werden kann.

Wie das funktionieren soll und welche Chancen und Risiken für Unternehmen bestehen, möchten wir in unserer Online-Veranstaltung vermitteln.

Mittwoch, 19. Mai 2021

Beginn: 14.00 Uhr

Begrüßung und Vorstellung der Veranstaltungsreihe „Energiewende und Klimaschutz in der Wirtschaft“
Thomas Frye; IHK Arnsberg

Politische Konzepte und Rahmenbedingungen zur Wasserstoffwirtschaft von Morgen

Das H2Energy – Zentrum für Wasserstoff-Mobilität in Soest
Prof. Dr. Mark Schülke; Fachhochschule Südwestfalen
Alexander Schaaf, M.Sc., Lehrkraft für besondere Aufgaben, Fachhochschule Südwestfalen

Ende: 16.00 Uhr

Zusammenfasung:

Die klimaneutrale Wirtschaft Südwestfalens wird in Zukunft nicht ohne das leichteste Element im Periodensystem auskommen: Wasserstoff. Bei seiner Reaktion mit Sauerstoff entsteht nämlich Energie, die zum Antrieb von Elektromotoren genutzt werden kann. Das entscheidende ist jedoch, dass bei dieser Reaktion, anders als bei fossilen Energieträgern wie Öl oder Kohle, kein CO2 als Abfallprodukt entsteht. Die potenziellen Einsatzgebiete von Wasserstoff gehen jedoch über den Antrieb von Elektromotoren hinaus. Als Brennstoff kann es auch zur Erzeugung von Wärme und mit Hilfe von chemischen Reaktionen zur Herstellung von klimaneutralem Stahl und weiteren Prozessen genutzt werden. So vielseitig seine Einsatzgebiete sind, sind auch die Herausforderungen auf dem Weg zu einer klimaneutralen Wasserstoffwirtschaft der Zukunft.

Das Ziel ist klar: Klimaneutral bis 2050 in Europa und das soll mit 1 Millionen Tonnen Wasserstoff bis 2024 und 10 Millionen Tonnen Wasserstoff bis 2030 gelingen. Auch, wenn die Politik in Deutschland das richtige Datum der Klimaneutralität gerade neu verhandelt, ist der Wirtschaft in Südwestfalen bereits klar, dass pragmatische Maßnahmen und Ansätze zur Umsetzung gefragt sind. Das wurde bei der heutigen Veranstaltung erneut deutlich als in einer kleinen Umfrage etwa 40 Prozent der Teilnehmenden planen Wasserstoff in irgendeiner Form in ihrem Unternehmen zum Einsatz kommen zu lassen. Eine Maßnahme zu Herstellung von Wasserstoff  wäre die Umsetzung von Power-to-X Prozessen, die Wasserstoff durch Nutzung von klimaneutralen Strom aus Windkraft oder PV-Anlagen herstellt. Praktischer Weise gibt es in Südwestfalen genügend Windkraftanlagen, die aus der EEG-Förderung fallen und nicht „repowert“ werden können. Das bedeutet, dass diese Anlagen entweder abgebaut werden müssen oder ihren Strom direkt an Abnehmer verkaufen müssen. Diese Abnehmer könnten so genannte Elektrolyseure sein, die so direkt grünen Strom einkaufen könnten, um grünen Wasserstoff herzustellen. Als Übergang könnten auch Brückentechnologien wie Wasserstoff aus Biogas und Dampfreformation, blauer Wasserstoff mit Kohlenstoffabscheidung oder türkiser Wasserstoff aus Methanpyrolyse sein. Diese Technologien sind ebenfalls klimaneutral. da diese klimaneutralen Wasserstoff-Technologien jedoch noch nicht wettbewerbsfähig sind, kommen sie nicht ohne entsprechende staatliche Förderprogramme aus. Wasserstoff könnte zukünftig aber auch aus Gegenden mit viel PV- oder Windenergie kommen wie beispielsweise Südeuropa, Nordafrika oder den Nordseestaaten mit einem ausreichenden Bestand an Offshore-Windenergieanlagen, die konstanten Strom zur Elektrolyse bereitstellen können. Bei allen Wasserstoff-Importen darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Wasserstoff auch in Deutschland zu wettbewerbsfähigen Bedingungen produziert werden kann und so neue Arbeitsplätze schafft.

Alles Wasserstoff, das produziert wird, muss auch in hinreichender Menge abgenommen werden. Hierzu gibt es ebenfalls zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten, wie Prof. Mark Schülke und Alexander Schaaf von der Fachhochschule Südwestfalen deutlich machten. Mit ihrer Forschung zur Metallhydrid-Speicherung von Wasserstoff tragen sie zur Erweiterung des Anwendungsgebiets von Wasserstoff bei. So haben sie bereits ihre Speicher-Technologie in einen Smart-PKW oder Orthopädie-Scooter eingebaut und gezeigt, dass Wasserstoff gegenüber der batterieelektrischen Mobilität vor allem den Vorteil der höheren Energiedichte und damit höheren Reichweite bei geringerem Gewicht hat.

Eins ist bei der heutigen Veranstaltung erneut klar geworden: Eine klimaneutrale Wirtschaft in Europa ohne Wasserstoff wird es nicht geben können, weshalb die Anstrengungen einer Marsmission gleichzukommen scheinen. Doch während die bemannte Marsmission noch in undefinierter und weiter Ferne liegt, muss die Wasserstoffwirtschaft der Zukunft bereits in zehn Jahren Form annehmen und in 30 Jahren weitestgehend umgesetzt sein. Die Wirtschaft in Südwestfalen blickt dieser Entwicklung positiv entgegen und versucht die Chancen in den Blick zu nehmen.

19.05.2021