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Mit ecocockpit zur CO2-Bilanz

Das kostenlose Online-Tool „ecocockpit“ der Effizienzagentur NRW bietet Unternehmen einen effektiven Einstieg in ihre erste CO2-Bilanz nach „Green House Gas (GHG) Protocol“ Standard. Der international anerkannte und allumfassende Standard ist für Unternehmen jeder Größe und jeder Branche geeignet.

„Erstellen Sie mit dem ecocockpit in wenigen Schritten die CO2-Bilanz Ihres Unternehmens und Ihrer Produkte und identifizieren Sie unkompliziert und praxisnah Ihre CO2-Treiber im Unternehmen. Daraus können Sie dann Ihre Maßnahmen zur Reduzierung ableiten,“ versprach Andreas Bauer-Niermann, Ressourceneffizienzberater der Effizienzagentur NRW, zu Beginn des 2. Workshops der IHK-Klimachutz-Reihe. Er hatte nicht zu viel versprochen, so das Fazit der mehr als 50 digital zugeschalteten Teilnehmer.

Die regionale Wirtschaft steht bei dem Thema Klimaschutz zahlreichen Herausforderungen gegenüber. Neben staatlichen Anforderungen an den Klimaschutz eines Unternehmens, haben Kunden, Investoren, Wettbewerber, Mitarbeiter und die Umwelt ein Interesse als so genannte „Stakeholder“ an der Klimaschutz-Leistung eines Unternehmens. So müssen die meisten energieintensiven Branchen am europäischen oder nationalen Emissionshandel teilnehmen, was ihre Kostenbasis erhöht und zwingt nach CO2-neutralen Produktionsalternativen zu suchen. Zudem gilt seit 2021 ein bundeseinheitlicher CO2-Preis von 25 Euro je emittierter Tonne CO2, der künftig deutlich weiter steigen soll. Daher lohnt es sich schon jetzt eine CO2-Bilanz zu erstellen, um diese Kostentreiber zu identifizieren und wenn möglich mit CO2-freien Alternativen zu ersetzen.

Neben dem GHG-Protocol gibt es noch weitere Standards, wie die DIN ISO 14064:2019 Norm oder den britischen PAS 2050 Standard. Die Standards weichen in einzelnen Normen voneinander ab. Grundsätzlich geht es bei allen Standards um die Ermittlung von Bilanzgrenzen und das Sammeln von entsprechenden Daten. Das GHG-Protocol ist hierbei das wohl am häufigsten verwendete Instrument, da es sowohl kostenlos einsehbar als auch international einsetzbar ist. Allgemein spricht man bei allen Standards von CO2-Äquivalenten, weshalb man häufig die Abkürzung CO2e für CO2-equivalents im Englischen findet. Da CO2 nicht das einzige Treibhausgas ist und andere Treibhausgase, wie Methan oder Lachgas, stärker wirken als die gleiche Menge CO2, gibt es einheitliche Umrechnungstabellen, die einen einheitlichen CO2e-Wert für alle wesentlichen Treibhausgase ermitteln sollen. Zu beachten ist, dass die Klimawirkung sich nicht nur aus dem Aufheizpotenzial, sondern auch aus der Verweildauer des Gases in der Atmosphäre zusammensetzt. Methan ist zum Beispiel 25-mal klimawirksamer, wobei es mit etwa 10-15 Jahren deutlich kürzer in der Atmosphäre verweilt als CO2, welches bis zu 1000 Jahre in der Atmosphäre bleibt, bis es von der Erdoberfläche oder den Meeren absorbiert wird.

Bei der Ermittlung der Bilanzgrenzen werden im Wesentlichen drei Bereiche (Scope I, II und III) unterschieden. Der englische Begriff Scope hat sich als Fachbegriff hierfür etabliert. Scope I umfasst dabei alle direkt vom Unternehmen verursachten CO2e-Emissionen, die im direkten Produktionsprozess angefallen sind. Scope II umfasst im Wesentlichen alle Emissionen, die durch Energie- und Stromverbräuche entstanden sind. Scope III umfasst alle Emissionen, die zwar nicht direkt durch das Unternehmen verursacht werden, aber im weiteren Sinne mit dem Unternehmen zusammenhängen, wie Emissionen in Lieferketten, Dienstreisen und Ähnliches. Außerdem kann man den Produktionsprozess entlang seiner Wertschöpfung betrachten und hierunter die Bilanzgrenzen erfassen. Da sind im Wesentlichen drei mögliche Unterscheidungen zu machen: „cradle to grave“; „cradle to gate“ und „gate to gate“. Ersteres bedeutet die Betrachtung von der Entstehung des Rohstoffs (z.B.: Erdgas, Kunststoff, usw.) bis zur Entsorgung nach vollständiger Nutzung des fertigen Produkts. Diese Betrachtungsweise ist die ganzheitlichste und gleichzeitig auch die aufwändigste. Zweiteres meint die Betrachtung von der Entstehung des Rohstoffs bis zum Verlassen des Werksgeländes als fertiges Produkt. Letzteres meint die Betrachtung des Rohstoffs lediglich von Werkstor zu Werkstor als fertiges Produkt.

Hat man nun die Bilanz-Grenzen gezogen, muss das Unternehmen die richtigen Daten beschaffen. Dies erfordert ein unternehmensinternes Datenmanagement zur Bilanzierung von gefahrenen Kilometern mit Dienstautos, verbrauchten Strom, Gas, Papier, Abfall und andere Roh- Hilfs- und Betriebsstoffe. Zusätzlich sollten Daten von Zulieferern über die benötigten Ressourcen zur Produktion von Vorprodukten eingefordert werden. Dies erfordert am Anfang ein wenig Koordination und Management. Sind aber die entsprechenden Stellen im Unternehmen und bei Zulieferern über die Erfordernisse informiert, können diese Daten relativ standardisiert abgefragt und jedes Jahr auf ihre erfolgreiche Verbesserung überprüft werden.

Wofür man sich auch entscheidet, es ist wichtig mindestens 95 % aller Emissionen zu erfassen und dabei zu beachten, dass ein Vergleich zwischen Unternehmen nicht sinnvoll ist. Ein Benchmarking ist nicht das Ziel der CO2e-Bilanzierungsstandards, da jedes Unternehmen verschiedene Annahmen über seine Bilanz trifft und eine Erschließung aller Emissionen überproportional viel Aufwand bedeuten würde. Dies ist aber auch gar nicht notwendig, um die wesentlichen Emissions-Treiber zu identifizieren und zu eliminieren. Damit folgt der GHG-Protocol-Standard der Nachhaltigkeitslogik, bei der Ökologie und Ökonomie in einem gesunden Verhältnis zueinander abgewogen werden.

Mehr: www.ihk-arnsberg.de/klimaschutz-nachhaltigkeit

10. März 2021


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