Klima- und Umweltschutz, grüne Fabrik
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Photovoltaik-Anlage
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Klimaschutz: Mehr Chance als Risiko

Klimaschutz ist nicht erst seit „Fridays for Future“ ein Handlungsfeld für die regionale Wirtschaft. So hat die Industrie bundesweit bis zum Jahr 2019 knapp 34 % ihrer Treibhausgasemissionen seit 1990 eingespart. Getrieben durch den internationalen Wettbewerb ist das produzierende Gewerbe vor allem bei der Energie-Effizienz anderen Sektoren voraus. Dass gleichwohl noch ein gehöriges Stück des Weges zur Vision der Klimaneutralität zurückzulegen ist, zeigte der Auftakt zur IHK-Veranstaltungsreihe „Energiewende und Klimaschutz“ Ende Januar.

Trotz aller Erfolge müssen gerade in der begonnenen Dekade neue Anstrengungen ergriffen und dabei auch technologische Fragestellungen gelöst werden. Produktionsverfahren müssen geändert, neue Energieträger ein- und Effizienzmaßnahmen durchgesetzt werden. Bei aller Unterschiedlichkeit der Ansätze waren sich die Referenten des Nachmittags einig: Es kann gelingen, ohne Wohlstandsabstriche hinnehmen zu müssen.

Ein gehöriges Stück vorangekommen ist in den letzten Jahren die Firma A & E Keller & Co. KG aus Arnsberg. Geschäftsführer Dr. Stephan Guht stellte anschaulich dar, wie es der Automobilzulieferer geschafft hat, den Ausstoß von Treibhausgasen bei der benötigten Prozess-Energie, des Wärme- und Strombedarfs auf null zu reduzieren. Durch den Einsatz einer Kaltfließpresse im Produktionsprozess, eines Blockheizkraftwerks, einer Wärmerückgewinnungsanlage, den konsequenten Einsatz von sparsamen LED-Leuchtmitteln, einer PV-Anlage auf dem Dach und dem Einkauf von CO2-neutralem Strom aus Norwegen konnte eine Reduktion sämtlicher Treibhausgasemissionen des Unternehmens erreicht werden. „Wenig Einfluss haben wir auf die eingekauften Vorprodukte“, so Dr. Guht. Da allerdings die Automobilhersteller künftig klimaneutrale Teile verlange, müssen sich die gesamte Lieferkette anpassen. Dazu gehöre auch die Logistik, die in Zukunft auf Wasserstoff-Antriebe oder sog. E-Fuels setzt.

„Dafür braucht unsere Branche ein breites Angebot an Fahrzeugen, welches der Markt noch nicht bereitstellen kann.“, erläuterte Dr. Christoph Kösters vom Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW e.V. stellvertretend für die Unternehmen der Transportwirtschaft. Aktuell sei vor allem das alt bekannte Henne-Ei-Problem das Hemmnis. „Wir Logistiker würden bereits heute gern Wasserstoff-Fahrzeuge kaufen. Diese könnten sie aber noch gar nicht im Alltagsbetrieb nutzen, weil es bundesweit gerade fünf Wasserstofftankstellen für den Nutzfahrzeugbetrieb gibt. Ohne eine flächendeckende Versorgung sind die Fahrzeughersteller kaum bereit entsprechende Nutzfahrzeuge auf den Markt zu bringen. So bleibt vielen allenfalls der Umbau der bestehenden Flotte von Diesel- auf Wasserstoffantrieb. Ein Dilemma, das mit der nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung (NIP) aufgelöst werden soll. „Wenn der vom BMVI mit mehr als 1 Mrd. Euro geförderte Markthochlauf von wasserstoffangetriebenen Nutzfahrzeugen greift, könnte allerdings bereits in zwei Jahren auf breiter Front neue Technik zum Einsatz kommen.“, ist Dr. Kösters optimistisch. Dann lohne sich auch der Ausbau der Versorgungsinfrastruktur insbesondere mit Wasserstoff.

Mit der steigenden Nachfrage nach klimaneutral erzeugter Energie hält das Angebot nicht mit. „Vor allem beim Ausbau der Windkraft gibt es im Regierungsbezirk Arnsberg noch zahlreiche Hürden zu überwinden.“, stellte Christian Mildenberger, Geschäftsführer des Landesverbandes Erneuerbare Energien (LEE), fest. „2019 ging hier keine einzige Anlage ans Netz“, fügte er hinzu und forderte eine Reduzierung der derzeit greifenden Abstandsregeln zu Wohn- und Siedlungsflächen. Generell sei mehr Bereitschaft nötig, der Windenergie Fläche zur Verfügung zu stellen. Das bestätigte auch Regierungsvizepräsident Volker Milk, der ankündigte, dass im gerade angelaufenen Verfahren für den Regionalplan im südlichen Teil des Regierungsbezirks rund 7.000 ha Windvorrangflächen geplant seien:

Die effektive Nutzung des regenerativ erzeugten Stroms hängt aber auch von dessen effizienter Verteilung ab. Da komme es, so Jens Viefhues von der Westnetz GmbH, vor allem auf den intelligent gesteuerten Netzausbau mit Technologien der Digitalisierung und den raschen Ausbau der Sektorenkopplung an. Es sei abzusehen, dass erneuerbare Energien vorwiegend in ländlichen Regionen gewonnen und dann über das Hochspannungsnetz mit den Ballungsräumen verbunden werden müssten. Zudem müsse vermehrt Strom aus erneuerbaren Energien in Wasserstoff oder E-Fuels umgewandelt werden. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn das Angebot von Sonnen- oder Windstrom gerade höher liegt als die Nachfrage. „Der so gewonnene Wasserstoff kann dann praktischer Weise im Straßengüterverkehr genutzt werden“, schlug Viefhues den Bogen zu Dr. Kösters.

„CO2-Senke Nr. 1 ist unser heimischer Wald“ – wer anders als Frank Rosenkranz, Leiter des Regionalforstamtes Oberes Sauerland, hätte überzeugender ein Plädoyer für die stärkere Einbeziehung des Naturraumes in ein Klimaschutzkonzept halten können. Das im Boden und natürlich auch darüber gebundene Kohlendioxid dürfe nicht vorwiegend durch Zersetzungs- oder Verbrennungsprozesse wieder freigesetzt werden. Rosenkranz: „Deshalb muss der Rohstoff Holz viel stärker als bisher als Baustoff verwendet und im Sinne einer Kaskadennutzung auch wiederverwertet werden.“   Bei allen Klimaschutz-Anstrengungen werde es in den nächsten Jahren unvermeidbar sein, die CO2-Senkpotenziale der heimischen Wälder zu nutzen. Im Idealfall könne die heimische Wirtschaft ihre nicht vermeidbaren Treibhausgasemissionen durch klimastabile Wiederaufforstung und Bewirtschaftung zertifizieren und kompensieren, so Rosenkranz.

„Deutschland ist bei der Energiewende zum Erfolg verdammt“, unterstrich IHK-Präsident Andreas Rother. Nur wenn es gelinge, den dazu notwendigen Umbau der Wirtschaft ökonomisch erfolgreich und sozial verträglich zu gestalten, würden andere Länder diesem Beispiel folgen. „Nur dann werden wir diese globale Herausforderung in den Griff bekommen.“, so Rother. Der Präsident ist überzeugt davon, dass der Klimaschutz enorme Potenziale für den innovativen Mittelstand in Südwestfalen mit sich bringt.

18. Januar 2021



Thomas Frye

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Ablauf - 18. Januar 2021

Moderation: Ewald Prünte

TOP 1: Andreas Rother

Präsident

Begrüßung und thematische Einführung

TOP 2.1: Dr. Stephan Guth

A & E Keller GmbH & Co. KG

Welchen Beitrag leistet die Industrie schon heute?

TOP 2.2: Dr. Christoph Kösters

Verband Verkehrswirtschaft und Logistik NRW e.V.

Was kann der Güterkraftverkehr zur CO2-Vermeidung beitragen?

TOP 2.3: Jens Viefhues

Westnetz GmbH

Welche Herausforderungen muss das Netz durch dezentrale Einspeisung und neue Kraftwerke erfüllen?

TOP 2.4: Christian Mildenberger

Landesverband Erneuerbare Energien LEE

Welche Anforderungen erden an den weiteren Ausbau von Wind-, Biomasse- und PV-Energie gestellt?

TOP 2.5: Bernd Geschermann

Energie-Agentur NRW

Wie hoch ist das Effizienzpotenzial bei Wärme und Gebäuden?

TOP 2.6: Frank Rosenkranz

Wald und Holz NRW

Welchen Beitrag leistet der Wald als CO2-Senke und als Lieferant des Baustoffs Holz?

TOP 2.7: Volker Milk

Bezirksregierung Arnsberg

Wie unterstützt die Regionalplanung die Energiewende?

TOP 3: Diskussion

TOP 4: Thomas Frye

IHK Arnsberg

Vorstellung der Veranstaltungsreihe "Energiewende und Klimaschutz in der Wirtschaft"