Eine bewegte Zeit
Die IHK Arnsberg feiert ihr 175-jähriges Jubiläum. Am 11. Juni 1851 hat per Erlass der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Errichtung der Handelskammer für die Kreise Arnsberg, Meschede, Brilon und Olpe in der Stadt Arnsberg genehmigt. Eine der wichtigsten Aufgaben der Kammer sollte es sein, dem schlechten Zustand des Wegenetzes im früheren Herzogtum Westfalen entgegenzuwirken. Ein Blick auf 175 Jahre bewegte Wirtschaftsgeschichte.
1848 – Gesetzliche Grundlage
Mit der Verordnung über die Errichtung von Handelskammern vom 11. Februar 1848 des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. (1840-1861) eröffnete sich ein Weg in Richtung einer neuen strukturierten Wirtschaftspolitik. Die zu errichtenden Handelskammern sollten Wirtschaftsberichte an die Regierung senden, die die Politik in die Lage versetzen sollten, bessere Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung der Regionen zu schaffen.
1850 – Erste Gründungsgespräche
Am 2. August 1850 forderte Regierungsrat Ludwig Jacobi in einem Schreiben die Händler und Gewerbetreibenden im Regierungsbezirk Arnsberg auf, eine Handelskammer in Arnsberg zu gründen.
Am 19. August 1850 trafen sich elf Kaufleute, darunter die Unternehmer Josef Cosack (Hüstener Gewerkschaft), Ferdinand Gabriel (Gabriel & Bergenthal sowie Gebrüder Kropff & Unkraut) und Theodor Ulrich (Ulrich & Comp.), in Eslohe (Kreis Meschede). Drei weitere Unternehmer hatten Vertretungsvollmachten erteilt. Unter Vorsitz von Regierungsrat Jacobi diskutierten sie die Gründung der Handelskammer. Zwar wurde die Stadt Arnsberg als Sitz der neuen Handelskammer erst zwei Monate später festgelegt, aber auf die Anzahl der Mitglieder konnten sich die Teilnehmer bereits einigen: Es sollte „jeder Kreis, und zwar Arnsberg einschliesslich des herzoglich westphälischen Theiles vom Kreise Soest, drei wählen.“ Insgesamt sollten es zwölf Mitglieder sein. „Für wahlberechtigt mögen alle Handels- und Gewerbetreibende des Bezirks, welche in der Steuerklasse der Kaufleute mit kaufmännischen Rechten Gewerbesteuer entrichten, erklärt werden.“ Eine an das Sitzungsprotokoll angehängte „Übersicht von dem Gewerbesteuer-Voll-Aufkommen der Kreise Arnsberg, Brilon, Meschede und Olpe pro 1850“ führte in der Gewerbesteuerklasse A insgesamt 170 Gewerbetreibende auf, die in der geplanten Handelskammer wahlberechtigt sein sollten.
Josef Cosack, erster IHK-Präsident.
1851 – Gründung
Per Erlass genehmigte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. am 11. Juni 1851 die Errichtung der Handelskammer für die Kreise Arnsberg, Meschede, Brilon und Olpe in der Stadt Arnsberg. Demnach waren die Handelskammern verpflichtet, „den Handel- und Gewerbetreibenden ihres Bezirks durch fortlaufende Mittheilung von Auszügen aus ihren Berathungsprotokollen, sowie am Schluß jeden Jahres in einer besonderen Übersicht von ihrer Wirksamkeit und von der Lage und dem Gang des Handels und der Gewerbe durch die öffentlichen Blätter Kenntnis zu geben.“ Bei der Königlichen Regierung in Berlin hatten sie zu Beginn des Jahres einen Bericht über die wirtschaftliche Entwicklung des abgelaufenen Jahres einzureichen. Der Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten von der Heydt in Berlin erteilte die Anweisung, die in den Jahresberichten aufgeführten Beschwerden, Wünsche und Anträge jedoch zunächst der Provinzialbehörde zukommen zu lassen und erst im zweiten Schritt nach Berlin zu senden. Auf diese Weise waren die Handelskammern die Interessenvertretung der Kaufleute ihrer Region auf provinzialer Ebene und Informationsorgan für Staat und Wirtschaft.
Die konstitutionelle Versammlung der Handelskammer Arnsberg fand am 10. November 1851 statt. Erster Präsident wurde der Kaufmann Josef Cosack aus Arnsberg, weitere Mitglieder waren die Kaufleute Franz Tillmann (Arnsberg), Friedrich Wilhelm Brökelmann (Neheim), Abraham Friedländer (Brilon), Ferdinand Gabriel (Eslohe) sowie Theodor Ulrich (Eisenhüttengewerke, Bredelar), Apotheker Friedrich Wilhelm Hillenkamp (Brilon), Tuchfabrikant Heinrich Eickhoff (Meschede), Glashüttenbesitzer Friedrich Wilhelm Becker (Giesmecke), die Gewerkebesitzer Ludwig Remy (Wenden), Robert Bonzel (Olpe), und Johann Josef Sondermann (Niederstehammer). Des Weiteren wurden acht Stellvertreter gewählt.
Eine der vordringlichsten Aufgaben der Kammer sollte es sein, dem schlechten Zustand des Wegenetzes im früheren Herzogtum Westfalen entgegenzuwirken. Die mangelhafte Verkehrsinfrastruktur und der katastrophale Zustand der Wege machten Transporte in der Region äußerst schwierig. Die vorhandenen Wege bestanden in der Regel aus nicht viel mehr als festgefahrenem Naturboden.
Die Wirtschaftsstruktur des bergigen Sauerlandes war vielerorts von Wald geprägt, ohne schiffbare Flüsse und überwiegend für die Landwirtschaft kaum geeignet. Die Bevölkerung war deshalb auf gewerbliche Tätigkeiten angewiesen: Erzbergbau, Waldwirtschaft, Steinbrüche und Schieferabbau, Schmieden, Hämmer und Hütten zur Herstellung von Eisen- und Eisenwaren sowie Wollwaren. Diese Gewerke, oftmals auch in Klein- und Kleinstbetrieben ausgeführt, prägten die sauerländische Wirtschaft. Händler vertrieben die Produkte deutschlandweit und in den Nachbarländern Holland, Belgien, Polen sowie darüber hinaus. 1864 übten 13 Prozent der Bevölkerung als fahrende Händler das Handelsgewerbe aus. Erst mit der Eisenbahn sollte sich im Sauerland langsam ein stehendes Handelsgewerbe entwickeln.
Seit 1851 – Straßenbau
Wichtige Verbindungen wie die Strecken von Menden über Giershagen und weiter bis Kassel (heute B 7) und von Unna bis Geseke (B 1) waren bereits 1816 bzw. 1824 ausgebaut worden. Doch viele Orte waren noch immer nur über unzureichende Wege zu erreichen. Es ging der Handelskammer nicht nur um die Erweiterung des Straßennetzes, sondern vor allem um die Bereitstellung von staatlichen Mitteln zur qualitativen Verbesserung der bestehenden Verbindungen, deren Zustand im Jahresbericht 1866 als „mangelhaft“ beschrieben wird. Der Handelskammerbericht von 1867 berichtet über den Zustand der Straßen im Kammerbezirk: „Es sind Straßen zwischen Meschede – Lippstadt, Meschede – Grevenbrück und Werl – Wickede, welche den bei weitem größten Theil unseres Güterverkehrs vermitteln und, wenn nicht die Witterung längere Zeit besonders günstig ist, fast durchweg nur bei außerordentlich starker Bespannung [z. B. zwölf statt vier Pferde, Anm. d. Bearb.] befahrbar sind.“ Manche Straßen waren für Transporte einfach zu steil. Zusätzlich fiel für die schlechten Wege oftmals noch Wegezoll – sogenanntes „Barrieregeld“ – an. Nach dem Vorbild des 1866 gegründeten Norddeutschen Bundes forderte die Handelskammer Arnsberg die Aufhebung aller Wegezölle. 1878 gingen die Straßen in Besitz und Verwaltung der jungen Provinz Westfalen über. Damit mussten die Sauerländer Kommunen ihre Landstraßen nicht mehr selbst unterhalten.
Als nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Bedeutung der Straße für den Transport- und den Individualverkehr deutlich wuchs, engagierte sich die IHK Arnsberg schwerpunktmäßig für den Ausbau von Straßen in ihrem Bezirk. Keinesfalls wollte sie vom einsetzenden Wirtschaftswunder ausgeschlossen werden. Dennoch war selbst in den 1960er Jahren der Zustand des Straßennetzes in manchen Gegenden noch immer unzureichend.
Die Erschließung durch Autobahnen erfolgte im Kammerbezirk erst sehr spät und auch nicht so dicht wie in anderen Regionen, nicht zuletzt aufgrund der schwierigen Topografie. Am 25. Oktober 1971 wurde die Sauerlandlinie (A 45) für den Verkehr freigegeben. Das letzte Teilstück der Autobahn Köln–Olpe (A 4) wurde am 7. Dezember 1976 fertiggestellt; seit dem 1. Dezember 2006 ist der Anschluss bis zur Hüttentalstraße bei Krombach in Betrieb. Zwischen Krombach und dem Kirchheimer Dreieck besteht jedoch weiterhin eine Lücke. Den Norden des Sauerlandes sollte die A 46 Hagen–Iserlohn–Arnsberg–Bestwig erschließen. Inzwischen ist sie bis Hemer fertiggestellt. Nach einer Lücke bis Arnsberg führt der dritte Teilabschnitt heute von Arnsberg-Neheim bis Olsberg. Der nordöstliche Teil des Sauerlandes ist über die Autobahn 44 Dortmund–Kassel erschlossen.

Foto: Silke Wrona/IHK
Ein Modell der Oberen Ruhrtalbahn in der Sonderausstellung „Macherland. Wo Industrie Geschichte schreibt.“, die das Sauerland-Museum in Kooperation mit der IHK Arnsberg zeigt.
1856 bis 1873 – Eisenbahnausbau
Mit der Einführung der Eisenbahn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschlechterte sich die Wettbewerbsfähigkeit der sauerländischen Wirtschaft dramatisch. Schlechte Verkehrswege und Pferdepost konnten mit der neuen Technik, die es in den angrenzenden Regionen bald gab, nicht mithalten. Die Unternehmer verlegten ihre Betriebe zu den Eisenbahnknotenpunkten, um in den Genuss der Standortvorteile zu kommen. Auch der Kammerpräsident Josef Cosack verlegte sein Hüstener Puddel- und Walzwerk 1853 nach Hamm. Die Rechnung war einfach: Keine Eisenbahn = keine Industrie. Wollte der Kammerbezirk seine wirtschaftliche Stellung erhalten oder aufgrund seiner sehr guten Rohstofflage sogar ausbauen, musste die Region an das Schienennetz angeschlossen werden. Es ging um das wirtschaftliche Überleben der regionalen Leitsektoren Bergbau und Metallindustrie. Am 10. Juli 1856 gründeten Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Verwaltung der Kreise Arnsberg, Brilon, Meschede, Iserlohn, Soest, Hamm und Dortmund im Gasthof Linnhoff in Arnsberg das „Komitee Ruhreisenbahn“.
Doch es sollte noch zehn Jahre dauern, bis die preußische Regierung am 1. Oktober 1866 die Obere Ruhrtalbahn mit der Streckenführung Hagen – Schwerte – Fröndenberg – Wickede – Arnsberg – Meschede – Bestwig – Brilon-Wald – Bredelar – Marsberg – Scherfelde – Warburg genehmigte. 1873 wurde das letzte Teilstück von Bestwig nach Warburg eröffnet. Andere Bahnprojekte wie die 1897 eröffnete Schmalspurbahn zwischen Bestwig und Ramsbeck oder die Strecke Sundern – Arnsberg (1900) konnten sogar nur auf Privatinitiative hin verwirklicht werden.
Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges erfüllten sich zunächst die in die Bahn gesetzten Hoffnungen der Wirtschaft. Mit Beginn des Kalten Krieges im Frühjahr 1947 ging der Güterverkehr auf der Oberen Ruhrtalbahn spürbar zurück und erreichte spätestens seit den 1970er Jahren einen Tiefstand. Heute greifen nur noch wenige Unternehmen des Kammerbezirks auf die Bahn als Transportmittel zurück, vor allem weil der Transport auf der Straße ihren Bedürfnissen besser entspricht: Nur die Wenigsten können mit ihren Produkten ganze Güterzüge füllen.
1861 – Zusammenschluss der Handelskammern
Am 13. Mai 1861 trafen sich Vertreter von 91 Handelskammern und Kooperationen in Heidelberg zur Konstituierung des „Allgemeinen Deutschen Handelstags (DHT)“. Seine Aufgabe sollte es sein, allgemeine Verbesserungen für die Wirtschaft in wichtigen Fragen zu erreichen. Themen waren vor allem Währung, Zölle, einheitliche Maße und Gewichte. 1918 wird der DHT in „Deutscher Industrie- und Handelstag“ (DIHT) umbenannt. Nach einer Zeit der Bedeutungslosigkeit während der nationalsozialistischen Diktatur wurde der DIHT am 27. Oktober 1949 in Ludwigshafen wieder begründet. Der neue DIHT setzte sich für die Gestaltung der Kammern als Selbstverwaltungseinrichtungen der Wirtschaft mit öffentlich-rechtlicher Basis und für die Soziale Marktwirtschaft ein. 2001 in „Deutscher Industrie- und Handelskammertag e. V. (DIHK)“ umbenannt, wurde er zum 1. Januar 2023 zur „Deutschen Industrie- und Handelskammer“ in eine bundesunmittelbare Körperschaft des öffentlichen Rechts umgewandelt.
1870 – Preußisches Handelskammergesetz vom 24. Februar 1870
Das Handelskammergesetz schaffte erstmals eine einheitliche Regelung des Handelskammerwesens im gesamten Königreich Preußen. Unter anderem umfasste es neben Kaufleuten in Abgrenzung zum Handwerk auch die Industrie sowie – abhängig vom Umsatz – den Bergbau. Außerdem erhielten Repräsentanten und Vorstände von Aktiengesellschaften das aktive und passive Wahlrecht.
1891 – Beginn der Elektrifizierung im Hochsauerland
Zunächst nutzten einzelne Unternehmen die neue elektrische Energie nur zur Erzeugung von Licht, bevor sie den Strom auch zum Betreiben ihrer Maschinen einsetzten. Ab 1893 versorgten die privaten Betreiber der einzelnen elektrischen Blockanlagen über den Bedarf ihrer eigenen Betriebe hinausgehend gegen Bezahlung auch umliegende Häuser, Straßenzüge und andere Fabriken mit Elektrizität. Ab etwa 1910 entstanden Kreiselektrizitätswerke als Verbundlösungen über eine Region hinaus, die bis in die 1990er Jahre hinein bestanden.
1897 – Novelle zum Preußischen Handelskammergesetz vom 19. August 1897
Die Novelle zum Handelskammergesetz legte die Befugnisse der Staatsaufsicht gesetzlich fest. Sie brachte den Handelskammern eine weitestgehende Unabhängigkeit. § 29 verlieh den Kammern den Status einer juristischen Person. Im Vergleich zu ihren Anfängen in den 1850er Jahren erschien die Arnsberger Handelskammer jetzt als spezialisierte, juristisch und wirtschaftlich versierte Interessenvertretung.
1901 bis 1984 – Erstes ständiges Büro der Handelskammer bis Gebäudekomplex Königstraße 18 – 20
Seit dem 15. Oktober 1901 beschäftigte die Kammer mit Dr. Otto Senst erstmals einen hauptamtlichen Sekretär, dem sie ein ständiges Büro in der Rumbecker Straße 2 in Arnsberg zur Verfügung stellte. Neben diesem Büro nutzte die Handelskammer für ihre Tagungen Räumlichkeiten in der Hellefelder Straße, der Promenade 7 und am Brückenplatz, dem Haus des Gründungspräsidenten Josef Cosack und heutigen Sitz der Handwerkskammer Arnsberg. Durch ein Entgegenkommen der Stadtverwaltung Arnsberg erwarb die Kammer schließlich ein repräsentatives Haus an der Königstraße 10. Am 1. Oktober 1913 bezog die Kammer ihr neues Domizil. Neben Büroräumen für die Geschäftsstelle bot das Gebäude auch eine Dienstwohnung für den Kammer-Syndikus. Zu einem späteren Zeitpunkt konnte die Kammer auch das baugleiche Nachbargebäude Königstraße 12 erwerben.
1945 zerstörten schwere Bombenangriffe auf Arnsberg kurz vor Kriegsende viele Gebäude an der Königstraße. Ein neues Kammergebäude in der Königstraße 18 konnte am 11. Dezember 1953 eingeweiht werden. Bereits 1955 musste es erweitert werden. 1962 erfolgte ein zweiter Um- und Erweiterungsbau mit dem Südflügel. Eine letztmalige Vergrößerung erfuhr der Komplex Königstraße 18-20 im Jahre 1984 mit dem Westflügel entlang der Twiete. Seit 2019 ist der Standort Königstraße für jeden barrierefrei zugänglich.
1908 bis 1924 – Entwicklung des Kammergebietes zur „Handelskammer für das südöstliche Westfalen“
Im westfälischen Vergleich war das politische Gewicht der Handelskammer Arnsberg anfänglich eher gering. Eine Verbesserung dieser Situation konnte nur eine Vergrößerung des eigenen Kammerbezirks schaffen. Doch nach dem frühen Austritt des Kreises Olpe aus der Kammer (1857) bot erst die Gesetzesnovelle von 1897 in dieser Frage neue Möglichkeiten. Nach einigen Widerständen konnte sich die Kammer im Wettbewerb um die bis dahin kammerfreien Kreise Paderborn und Büren gegen die Konkurrenz der Handelskammer Bielefeld sowie dem Kaufmännischen Verein zu Paderborn durchsetzen. Ausschlaggebend für den Zuschlag waren wohl die engen Handelsbeziehungen zwischen dem Kammerbezirk und den Anschlusskandidaten sowie die Ähnlichkeit der wirtschaftlichen Strukturen. Am 19. Januar 1909 wurde der Anschluss per Verordnung rechtskräftig. Die „Handelskammer für die Kreise Arnsberg, Brilon und Meschede“ wurde in „Handelskammer für das südöstliche Westfalen“ umbenannt. In den folgenden Jahren traten weitere Kreise dem Kammerbezirk bei: Warburg (1911), Soest (1916) und Wittgenstein (1919). 1924 führte eine Novelle zum preußischen Kammergesetz zur Umbenennung der Handelskammer in „Industrie- und Handelskammer für das südöstliche Westfalen“.
1933 bis 1945 – Die IHK zu Arnsberg im Dritten Reich
Im Zuge der Gleichschaltung im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie wurden die Industrie- und Handelskammern 1934 – ein Jahr nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten – dem Reichswirtschaftsministerium unterstellt. Die Vollversammlungen wurden zu beratenden Beiräten umfunktioniert. Mit der Gauwirtschaftskammer-Verordnung vom 20. April 1942 erfolgte die formale Auflösung der Industrie- und Handelskammern. Praktisch blieben sie jedoch weiterhin tätig. Mit Wirkung zum 1. April 1943 wurde die IHK zu Arnsberg als unselbständiger Kammerbezirk Arnsberg der neu gebildeten Gauwirtschaftskammer Westfalen-Süd mit Sitz in Dortmund eingegliedert. Neben Gebietsabgaben – die Kreise Paderborn, Büren und Warburg (Kammer Bielefeld) und der Kreis Wittgenstein (Kammer Siegen) – kam der damalige Kreis Lippstadt hinzu. Von der damaligen Kammerführung hieß es 1943 zur Zwangsauflösung: „Der Abschied von der Kammer fällt uns schwer. Aber im nationalsozialistischen Staat muß sich die Wirtschaftsführung auch der Staats- und politischen Führung unterordnen. Die Staatsführung bestimmt die Wirtschaftspolitik und auch die Organisationsformen.“ Der Eindruck des Zitats täuscht nicht: Die Arnsberger Kammerführung stand den Machthabern recht unkritisch gegenüber.
1945 bis heute – Ende und Neubeginn
Nach dem Krieg lösten die alliierten Siegermächte im Mai 1945 die Gauwirtschaftskammer auf. Bereits 1946 wurden die Industrie- und Handelskammern wieder zugelassen. Eine gesetzliche Regelung erfolgte 1956 durch das Gesetz zur vorläufigen Regelung des Rechts der Industrie- und Handelskammern. Es legte die Stellung und die Aufgaben der Industrie- und Handelskammern in der Bundesrepublik Deutschland fest. Eine letzte Veränderung des Kammerbezirks ergab sich im Rahmen der kommunalen Neugliederung 1975. Die IHK zu Arnsberg umfasst seitdem den Hochsauerlandkreis und den Kreis Soest. Um im Namen sowohl den Sitz in Arnsberg als auch den geographischen Zuständigkeitsbereich bestehend aus dem Kreis Soest und dem Hochsauerlandkreis – also jeweils einem Teil des mittelalterlichen Westfälischen Hellwegs und des Sauerlands – zum Ausdruck zu bringen, erfolgte 2006 die Umbenennung in Industrie- und Handelskammer Arnsberg, Hellweg-Sauerland.
Heute steht die Industrie- und Handelskammer Arnsberg in einer sich massiv verändernden Welt vor neuen herausfordernden Aufgaben. Neben innen- und außenpolitischen Wirtschaftsfragen stehen umwelt- und klimapolitische Themen sowie technische Herausforderungen wie die Digitalisierung im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten.
Autorin:
Elisabeth Sommer
Westfälisches Wirtschaftsarchiv

Foto: Westfälisches Wirtschaftsarchiv (WWA, K 6 Nr. 970)
Das Foto zeigt das Richtfest zum Anbau der Kammer in der Königstraße am 2. Dezember 1983 mit Präsident Alfred Padberg und Hauptgeschäftsführer Wilfrid Maul.