Wie in Ochtrup wäre das FOC in Werl im Village-Stil errichtet worden. 

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster hat in zweiter Instanz den Plänen für die Errichtung eines Fabrik-Verkaufszentrums (FOC) an der A 445-Ausfahrt in Werl eine Absage erteilt. Das umstrittene Projekt ist damit an dieser Stelle endgültig gescheitert. Die Stadt Werl und der Investor suchen nun nach Alternativstandorten.

Es war schon eine Überraschung, dass sich das OVG nach der klaren Negativ-Entscheidung der 1. Instanz im Juni 2017 überhaupt noch mit dem Projekt weiter befasst hat. Dennoch: Nach dreistündiger Verhandlung  haben die Richter das erstinstanzliche Urteil des Verwaltungsgerichts Arnsberg in vollem Umfang bestätigt. Sie stützten sich dabei vor allem auf den seit 2012 rechtskräftigen Regionalplan, der für den Standort einen Freiraum- und Agrarbereich darstellt und ein solches Projekt daher nicht zulässt. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Planungen im November 2011 hatte die IHK Arnsberg bereits in einer Ersteinschätzung genau dies hervorgehoben. 

Das FOC Werl sollte bei 13.800 qm Verkaufsfläche rund 70 Shops vorwiegend aus den Bereichen Bekleidung, Schuhe und Sport umfassen. Mit einer Umsatzerwartung von rund 80 Millionen Euro im Jahr wären Verdrängungseffekte insbesondere in der Werler Innenstadt (9-11 Prozent) zu erwarten gewesen. Für Nachbarstandorte mit hohem Textilanteil wie Soest, Neheim, Hamm oder Lippstadt sind Umsatzverluste zwischen 1,4 und 3,6 Prozent prognostiziert worden.

Investor NEINVER will nach eigenem Bekunden nun Alternativstandorte prüfen. Die könnten in Werl, aber ebenso auch an anderen Standorten mit guter verkehrlicher Anbindung liegen. Doch ganz gleich wo der Investor künftig fündig werden wird: Alle Vorhaben werden sich an den Zielen und Grundsätzen der Landes- und Regionalplanung messen lassen müssen, die jetzt vom OVG ausdrücklich als wirksam erklärt wurden.

 

7 verlorene Jahre


Kommentar von Thomas Frye

Genau 7 Jahre hat es vom erstmaligen Bekanntwerden der Werler FOC-Pläne bis zum endgültigen Aus für das Grüne-Wiese-Projekt gedauert. Das waren 7 verlorene Jahre, die der gesamten Region jedenfalls aus Sicht des Handels nicht gut getan haben. Kommunale Nachbarn haben sich in diesem Punkt entzweit und misstraut. In weiten Teilen der hauptsächlich vom FOC-Angebot betroffenen Branchen Textil und Sport war Unsicherheit bis hin zu ganz konkreter Investitionszurückhaltung spürbar  - vor allem in Werl selbst.

Die Wallfahrtsstadt hat in den letzten Jahren ohne Zweifel unter dem Druck von Online-Handel und größeren Zentren wie andernorts auch an Attraktivität verloren. Da mehrten sich Stimmen, die die Innenstadt abschrieben und das FOC quasi als Ersatzlösung forderten.  Mehr noch: Auswärtige FOC-Kunden könnten – so die Theorie - doch nach dem Shopping die Innenstadt zu weiteren Einkaufs- oder Erlebnis-Touren aufsuchen. Ein Tourismus-Gutachten sollte diese Effekte quantifizieren. Es liegt seit drei Jahren vor, wurde aber nie veröffentlicht. Warum wohl?

Die eindeutige Entscheidung des OVG ist deshalb zuallererst ein Gewinn für Werl selbst. Ohne den Druck durch einen übermächtigen Wettbewerber an der Peripherie kann sich der Einzelhandel nun konsolidieren, selbst wenn das nicht mehr auf dem Niveau früherer Jahre möglich ist.  Das geplante Innenstadt-Entwicklungskonzept, an dessen Entwicklung sich die IHK gerne beteiligt, scheint hier der richtige Weg zu sein.

Nicht ganz überraschend ist die Ankündigung des Investors, nun nach Alternativstandorten zu suchen. Schließlich ist die Region östlich des Ruhrgebietes noch ein weißer Fleck auf der FOC-Landkarte. Gespannt sein darf man dabei auf die Rolle der rund 20 Nachbarstädte, die in den letzten Jahren gegen die Werler Pläne Sturm gelaufen sind. Schließlich haben sie unisono hoch und heilig erklärt, nie ähnliche Pläne verfolgen zu wollen.

 


Thomas Frye

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