Rot für der Aufschwung?

Dies soll keine Wahlempfehlung sein, sondern die Frage aufwerfen, ob die Ampel für die zuletzt so fulminant verlaufende Konjunktur nun auf Rot gesprungen ist. 28 Prozent der Unternehmen in der Region gehen von schlechteren Geschäften aus, nur 15 Prozent erwarten eine Verbesserung. Das drückt den regionalen Klimaindex auf 101 Punkte, den „Nullwachstum“ verheißenden schwächsten Wert seit zwei Jahren.

 

Zunächst die gute Nachricht: Die aktuelle Lage ist weiterhin stabil. Etwa ein Drittel der Befragten gibt der eigenen wirtschaftlichen Situation noch immer ein „gut“, 14 Prozent ein „schlecht“. Damit hat man sich zwar von dem exzellenten Werten zu Jahresbeginn (47 „gut“, 6 „schlecht“) bereits ein gutes Stück entfernt, befindet sich aber keineswegs in steiler Talfahrt, sondern auf einem angesichts der überaus guten Entwicklung in den letzten Jahren „normalen“ Konjunkturpfad. Das im Branchenvergleich beste Lageurteil gibt es in diesem Herbst im Großhandel. Hier stehen 32 Prozent „gut“- nur sieben Prozent „schlecht“-Urteile gegenüber. Am anderen Skalenende steht das Gütertransportgewerbe (29 zu 24 Prozent).

Noch immer etwas stärker als die Gesamtwirtschaft präsentiert sich die Industrie. In den ersten acht Monaten dieses Jahres hat sie den Umsatzwert des Vorjahreszeitraums um rund zwei Prozent überbieten können. Es ist 2012 vor allem das Inlandsgeschäft, das den Erfolg herbeigeführt hat. Einem 3,5-prozentigen Plus beim Binnenumsatz steht ein halbprozentiges Minus beim Export gegenüber.
Dieser Sachverhalt ist umso bemerkenswerter, als für die nahe Zukunft viele Unternehmen gerade auf das Auslandsgeschäft bauen. Trotz Rezession in einigen Euro-Ländern, 28 Prozent der Industrieunternehmen erwarten bessere und nur 12 Prozent schlechtere Geschäfte mit ihren internationalen Kunden.

Als Risikofaktor gilt die nach Faktenlage eigentlich derzeit stabile Inlandsnachfrage. Ohnehin gibt es kaum harte Belege, die für ein Einknicken der Konjunktur sprechen, wie ihn viele Unternehmen erwarten. Denn auch Lohnsteigerungen über der Inflationsrate lassen nun keine Rückgänge der privaten Nachfrage vermuten. Dennoch steht der private Konsum im Mittelpunkt der Konjunkturskepsis.

Es mischt sich offensichtlich viel Psychologie in die Erwartungen. Der Blick in Auftragsbücher fällt insgesamt noch zufrieden aus, der auf die gesamtwirtschaftliche Großwetterlage weniger.

Da gibt es stark steigende Energie- und Mobilitätskosten sowie angedrohte bzw. bereits vollzogene Steuer- und Abgabenerhöhungen zulasten der Kaufkraft der Verbraucher. Zudem trüben die „Euro-Krise“ und ihr Management durch die Politik den Optimismus vieler Unternehmen und nach deren Einschätzung auch den der Verbraucher.

Allerdings sieht auch die Mehrheit der Unternehmen (57 %) keine Veränderung der eigenen wirtschaftlichen Lage auf sie zukommen. Das ist angesichts der guten Ausgangslage eine weitere positive Botschaft der IHK-Konjunkturumfrage. Richtig ist aber eben auch, dass 28 Prozent der Befragten insgesamt von schlechteren Geschäften ausgeht. 

Die erwartete – binnenwirtschaftliche – Schwäche belastet die Geschäftsaussichten in den Wirtschaftszweigen unterschiedlich, bei Industrie und Bauwirtschaft lange nicht so stark wie im Dienstleistungssektor. Einzig der Großhandel, an der Schnittstelle von Produktion und Distribution, rechnet unverändert mit Wachstum. Im Einzelhandel erwartet dagegen mehr als ein Drittel der Befragten rückläufige Geschäfte, während nur jeder zehnte von Zuwächsen ausgeht. Die Energie- und Rohstoffpreise und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sind neben dem (Inlands-)Absatz die von den Unternehmen meist genannten Konjunkturrisiken.

Der Herbstumfrage zufolge planen die Unternehmen für 2013 leicht zunehmende Investitionen und eine konstante Beschäftigung. Das Gros der Investitionen entfällt auf den Ersatzbedarf. Doch immerhin melden auch 36 Prozent der Betriebe, in den nächsten zwölf Monaten in die Kapazitätsausweitung zu investieren.

In Punkto Beschäftigungsplanung steht erstmals seit zwei Jahren wieder ein Minus vor dem Saldo. Das Bild ist aber uneinheitlich. So wird die Industrie in kleinen Schritten weiter Personal einstellen. Das gilt auch für Groß- und Einzelhandel. Bauwirtschaft, Gütertransportgewerbe und unternehmensnahe Dienstleistungen werden hingegen ihren Stamm verkleinern.

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Stefan Severin
Dipl.-Volkswirt
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