LINK: Klicken Sie hier, um diese Seite im interaktiven Modus anzuschauen.

NAVIGATION:

Seite 44: politik Local Content Vorgaben: Handel und Wettbewerb auf dem Prüfstand Auf europäischer Ebene werden derzeit...

Vorherige SeiteBildansicht der Seite(Dieser Link öffnet sich in einem neuen Tab)Nächste Seite


INHALT:

politik

Local Content Vorgaben: Handel und Wettbewerb auf dem Prüfstand Auf europäischer Ebene werden derzeit in verschiedenen Bereichen Verpflichtungen zur Bevorzugung von lokalen Wertschöpfungsanteilen erwogen. In einem Impulspapier zeigt die IHK-Organisation Einschätzungen und potenzielle Implikationen mit Blick auf eine mögliche Einführung von LocalContent-Vorgaben auf.

L

okalisierungsverpflichtungen oder auch Local-Content-Vorgaben werden von Befürwortern als Instrument gesehen, um Wertschöpfung und Beschäftigung hierzulande in bestimmten Sektoren oder Technologien zu sichern oder auf protektionistisches, subventionsorientiertes Verhalten anderer Länder zu reagieren. Aktuelle Europäische Initiativen wie der Industrial Accelerator Act, der European Competitiveness Fund oder die Überarbeitung der EU-Vergaberichtlinien setzen zunehmend darauf, lokale Wertschöpfungsanteile zu bevorzugen. Hinzu kommen Überlegungen, auch bei europäischen Produktvorschriften auf einen heimischen Produktionsanteil zu setzen. Damit wird an vielen Stellen die unternehmerische Freiheit eingeschränkt. Zugleich ist nicht ersichtlich, mit welchen weiteren (Opportunitäts-)

42

Kosten diese Vorgaben einhergehen. Local-Content-Vorgaben sind daher kein Allheilmittel, sondern allenfalls eine Notlösung, die im Falle einer Einführung spürbare Entlastungen an anderer Stelle, wie z.B. beschleunigte Verfahren zur Gewinnung heimischer Rohstoffe, beinhalten müssen. Grundsätzlich sieht die Wirtschaft staatliche Eingriffe in privatwirtschaftliche Entscheidungen kritisch. Es obliegt den Unternehmen, ihre Beschaffungs- und Absatzmärkte von lokaler bis globaler Ebene zu diversifizieren. Gleichzeitig gibt es auch in der Wirtschaft – angesichts der sich ändernden geopolitischen Lage – eine wachsende Zustimmung, EUUnternehmen und/oder EU-Content zu bevorzugen, um bestehende Abhängigkeiten zu reduzieren und neue Abhängigkeiten zu vermeiden. Wettbewerbsnachteile, die nun über Local-Content-Vorgaben beho-

ben werden sollen, werden allerdings in erster Linie nicht nur durch das protektionistische Verhalten anderer Staaten, sondern auch durch EU-Entscheidungen verursacht. Wenn durch EU-Regeln Wettbewerbsverzerrungen bestehen, dann müssen diese auch durch die EU wieder beseitigt werden. Andernfalls sind überhöhte Kosten, z. B. für Energie, Arbeitskräfte sowie für Compliance und eine generell überbordende Bürokratie die Folge. Diese heimischen Faktoren gilt es nunmehr vorrangig anzugehen – zusammen mit einer technologieoffenen Stärkung von Forschung und Entwicklung, um wettbewerbsfähige Technologien in Europa aufzubauen. Auch gilt es, das Vergaberecht zu vereinfachen, statt es durch strategische Vorgaben zu Local Content komplizierter zu machen und – u. a. durch entsprechende Nachweispflichten – mit Bürokratie zu belasten.

wirtschaft 05+06/2026


WEITERE SUCHBEGRIFFE:



NAVIGATION:

LINK: powered by www.elkat.de(Dieser Link öffnet sich in einem neuen Tab)