![]() |
Während die Bauwirtschaft, das Verkehrsgewerbe und die Dienstleistungen positive Ergebnisse aufweisen, bleiben Industrie und Einzelhandel deutlich zurück. Die angegebenen Gründe für die insgesamt höheren Erwartungen sind vielfältig. Neue Absatzmärkte, die angekündigten öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur und die konsequente Umsetzung von Digitalisierungsstrategien werden ebenso genannt, wie weiterhin vorhandenes Vertrauen in den Reformwillen der Bundesregierung. Auffällig ist zudem, dass kleinere Unternehmen ihre Lage und Erwartungen deutlich schlechter einschätzen als größere. „Kleine Betriebe leiden noch stärker unter der schwachen Nachfrage und den hohen Kosten und verfügen meist über geringere finanzielle Puffer. Größere Unternehmen profitieren hingegen häufiger von langfristigen Verträgen und einer breiteren Kundenstruktur“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jörg Nolte. „Es bleibt zu hoffen, dass von der erwarteten höheren Dynamik bei den größeren Unternehmen zeitverzögert auch die kleineren Betriebe profitieren – etwa als Zulieferer oder Dienstleister.“ Über alle Branchen hinweg stehen die hohen
wirtschaft 03+04/2026
Kosten im Mittelpunkt der Sorgen. Mit 67 Prozent Nennungen erreicht das Risiko „Arbeitskosten“ einen Höchststand und wird somit häufiger als Risiko genannt als die Inlandsnachfrage. „Die Kostenbelastung ist für viele Unternehmen ein großes Problem“, betont Jörg Nolte. „Sie schränkt die Wettbewerbsfähigkeit ein und lässt wenig Spielraum für Investitionen.“ Im Gastgewerbe gewinnt zudem der Risikofaktor Finanzierung wieder an Bedeutung. Die Kombination aus hohen Kosten, zurückhaltender Nachfrage und steigenden Preisen verschärft dort die wirtschaftliche Lage zusätzlich. Der Export wird auch weiterhin keine tragende Rolle als Impulsgeber für die Konjunktur einnehmen. Sowohl Industrie als auch Großhandel erwarten nur geringe Dynamik im Auslandsgeschäft. Zwar haben sich die Exporterwartungen (Saldo -4 Punkte) gegenüber dem Herbst leicht verbessert, im Jahresvergleich (JB 25: +0,2) liegen sie jedoch deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. „Internationale Krisen, Kriege, geopolitische Spannungen und zunehmende Handelshemmnisse wirken sich dämpfend auf das Auslandsgeschäft aus. Zölle und fehlende Verlässlichkeit auf wichtigen Absatzmärkten dämpfen die Erwartungen zusätzlich“, erklärt IHK-Volkswirt Stefan Severin. Die Rezession hat den heimischen Arbeitsmarkt längst erfasst. Schwache Nachfrage und teils erdrückend hohe Arbeitskosten zwingen viele Unternehmen, ihre Belegschaften zu reduzieren. Der Abbau von Beschäftigung könnte das ohnehin durch verunsicherte Verbraucher schwache Konsumklima weiter drücken. „Es fehlt der gesamtwirtschaftliche Impuls, der Investitionen, Beschäftigung und damit auch den Konsum anregt. Daher ist die Situation für Handel, Gastgewerbe und viele Dienstleister unverändert angespannt“, so Stefan Severin. „Noch ist die Rezession nicht überwunden“, resümiert Jörg Nolte. „Doch die wieder höhere Zuversicht, gerade in unserer Schlüsselbranche, der Industrie, gibt uns etwas Hoffnung, dass die Konjunktur im Laufe des Jahres wieder mehr Fahrt aufnimmt“, so der IHK-Chef weiter. „Dauert die Durststrecke noch lange an, geht es immer mehr an die Substanz unserer Betriebe.“
Die
Kosten-
belastung ist für viele Unternehmen ein
großes Problem. Jörg Nolte
von Franziska Petri und Stefan Severin
9
LINK: powered by www.elkat.de