Konjunkturklima Konjunkturumfrage Frühjahr 2019

In den Konjunkturklimaindikator gehen sowohl Bewertungen der aktuellen Lage, als auch die Zukunftserwartungen ein.

Erwartungen trüben Konjunkturklima

„Die Wirtschaft legt einen Seitwärtsschritt hin“, kommentiert IHK-Präsident Andreas Rother die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage. Während sich die meisten Unternehmen mit ihrer wirtschaftlichen Lage überaus zufrieden zeigen, haben sich die Erwartungen zuletzt deutlich eingetrübt. Rund 340 Unternehmen haben an der Befragung der Industrie- und Handelskammer teilgenommen.

Der Konjunkturklimaindikator berücksichtigt Lage- und Erwartungsurteile der Unternehmen. Mit 113 Punkten liegt er weiter deutlich über der Marke von 100 Punkten, die die Schwelle zum Nullwachstum markiert. Allerdings ist der Indikator derzeit auch sechs Punkte unter dem Wert zu Jahresbeginn. Positiv auf das Klima wirkt nach wie vor die Lage. Deren Beurteilung fällt in allen Branchen positiv aus: 45 Prozent der Unternehmen beurteilen sie mit Gut, weitere 47 Prozent mit Befriedigend, nur acht Prozent mit Schlecht. Zu Jahresbeginn waren die Werte ähnlich. Besonders positiv gestimmt ist die Bauwirtschaft. 75 Prozent geben ihrer Lage ein Gut. In der Industrie urteilen 44 Prozent gut, 46 Prozent befriedigend und 10 Prozent schlecht.

Bei den Erwartungen für die kommenden zwölf Monate  überwiegen die negativen Prognosen. Mittlerweile gehen 26 Prozent der Unternehmen von einer Verschlechterung ihrer Geschäftslage aus. Zu Jahresbeginn waren es erst 17 Prozent. Eine Verbesserung ihrer Lage erwarten nur 20 Prozent. Insbesondere die Industrie blickt skeptisch in die Zukunft. In dieser Branche erwarten sogar 36 Prozent eine Verschlechterung, während 20 Prozent von einer Verbesserung ausgehen. Hauptursache für die gedämpfte Erwartung in der Industrie, aber auch im Großhandel, ist der Export. Noch vor einem Jahr nannten erst 14 Prozent der exportorientierten Unternehmen die Auslandsnachfrage als Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Inzwischen sieht fast jedes zweite Unternehmen in einer schwächeren Auslandsnachfrage ein Risiko für den eigenen Auftragsbestand.

Die Binnenkonjunktur hingegen bleibt stabil. Das zeigt sich am Gastgewerbe, das besonders optimistisch ist. Die Hoteliers und Gastronomen erwarten zu 48 Prozent eine Verbesserung. Auch der Einzelhandel und die Bauwirtschaft blicken überwiegend positiv in die Zukunft.

Trotz der gedämpften Erwartung bleiben die Planungen expansiv. 29 Prozent der Unternehmen wollen ihre Investitionen ausweiten, 47 Prozent unverändert halten und nur 24 Prozent beabsichtigen, weniger zu investieren. Die Belegschaften werden weitgehend ihre Größe beibehalten. Zwei Drittel der Betriebe planen mit ihrer aktuellen Mitarbeiterzahl, jeweils rund 16 Prozent wollen ihre Belegschaft vergrößern oder verkleinern.

Der Fachkräftemangel ist aus Sicht der Wirtschaft noch immer ein großes Risiko für die Konjunktur. Allerdings ist er an der Spitze des Sorgenrankings von den politischen Rahmenbedingungen abgelöst worden, die 45 Prozent der Unternehmen als Risiko wahrnehmen. Den Fachkräftemangel nennen 44 Prozent, Inlandsabsatz und Arbeitskosten jeweils 39 Prozent.

„Überbordende Bürokratie, die Folgen des Brexits und Handelsstreitigkeiten der USA mit China sowie Europa stellen aus Sicht der Unternehmen große Gefahren für den weiteren Konjunkturverlauf dar“, berichtet Andreas Rother. „Die Unternehmen brauchen eine Politik, die auf freie und faire Handelsbeziehungen, Verlässlichkeit und Bürokratieabbau setzt, damit sich der Aufschwung fortsetzt“, betont der IHK-Präsident darum.

Konjunkturumfrage fj 2019_


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