Gute Stimmung - unklare Aussicht

Die Konjunktur ist zu Jahresbeginn wieder angezogen. Eine gute wirtschaftliche Lage prägt das Gesamtbild in allen Branchen. Die Wirtschaft ist sich weitgehend einig, dass sich die gute Entwicklung durch das begonnene Jahr ziehen wird – trotz mancher Unwägbarkeit.

 

"Die heimische Wirtschaft ist vielversprechend ins Jahr gestartet und kann auf ein gutes 2015 setzen“, so IHK-Präsident Ralf Kersting Anfang Februar bei der Veröffentlichung der Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage. Gleichzeitig warnte der Olsberger Unternehmer die Bundes- und Landespolitik davor, angesichts der guten Konjunktur den Blick von den ungelösten Fragen beispielsweise in der Energie- und Steuerpolitik zu nehmen. Seit Herbst hat die heimische Wirtschaft wieder deutlich Fahrt aufgenommen. Der alle Wirtschaftsbereiche – Industrie, Handel, Bau- und Dienstleistungswirtschaft – umfassende Konjunkturklimaindikator stieg gegenüber dem letzten September um zehn auf jetzt 116 Punkte. Beide Teilkomponenten des Indikators, Lage und Erwartungen, tragen zur Klimaverbesserung bei. Die Wirtschaftslage bleibt branchenübergreifend positiv. Ein Drittel der Unternehmen bewerten ihre Situation als gut, nur 11 Prozent als schlecht. Einen Wehrmutstropfen liefert die Ertragslage, vielerorts sind die Margen empfindlich rückläufig. Nicht so im Einzelhandel. Die Branche gibt sich ausgesprochen zufrieden mit ihrer Situation, 38 Prozent ihrer Unternehmen bewerten die Lage als gut. „Günstiges Benzin und eine geringe Sparquote haben auch am Hellweg und im Sauerland die Konsumlaune beflügelt“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange die gute Lage im Handel.
 

Uneinheitlich zeigt sich die heimische Wirtschaft jedoch bei den Erwartungen. Hier sind es Industrie und Bauwirtschaft, die das Bild mit ihrem Optimismus prägen. In der Industrie nähren vor allem die wieder steigenden Exporterwartungen die Zuversicht. Der Blick in die Zukunft fällt aber auch hier nicht sorgenfrei aus. Denn gerade die Auslandsnachfrage birgt mit den zahlreichen Krisen in der Ukraine, Russland und im Nahen Osten ein hohes Maß an Unsicherheit. Der günstige Euro steht natürlich Pate bei den Exporterwartungen. Doch hat das Gros der Ausfuhren den EU-Raum als Ziel, somit kommt dieser Effekt nur eingeschränkt zum Tragen. Die Baukonjunktur hat sich im vergangenen Jahr stetig abgeschwächt. Nun erwartet die Branche wieder eine stärkere Auslastung. Die Rahmenbedingen dafür sind gut: Weiterhin niedrige Zinsen, eine gute Gesamtkonjunktur, der Trend zum energieeffizienten Umbau sowie ein dringend aufzulösender Investitionsstau in der öffentlichen Infrastruktur lassen die Erwartungen wieder deutlich anziehen. Viele Unternehmen wollen im laufenden Jahr mehr investieren, das gilt besonders für Industrie und Großhandel. Dabei wird nicht nur vornehmlich der Ersatz- und Rationalisierungsbedarf bedient, sondern es kommt verstärkt auch zu Erweiterungsinvestitionen. 

 

Von einem Investitionsboom ist die heimische Wirtschaft aber noch weit entfernt. Auch vor dem Hintergrund der letzten politischen Entscheidungen. „Noch kann niemand abschätzen, wo uns die Energiewende hinführt oder wie die tatsächlichen Folgen von Mindestlohn und Rente mit 63 aussehen. Bei so viel Unsicherheit bleibt die Handbremse bei den Investitionen und auch bei der Beschäftigung angezogen“, so Ralf Kersting. Auch in der Steuerpolitik sieht der Präsident der IHK Arnsberg und von IHK NRW Handlungsbedarf. So dürfe das Eigenkapital nicht stärker belastet werden. Eine minimalinvasive Korrektur der Erbschaftssteuergesetze sei hier von herausragender Bedeutung. Auch die degressive Abschreibung müsse endlich wieder eingeführt werden.

 

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