Eingetrübt, aber weiter freundlich

Die Unternehmen am Hellweg und im Sauerland geben ihrer wirtschaftlichen Lage und den Aussichten auf die nächsten Monate in der Herbstumfrage mehrheitlich gute Noten. Neunzig Prozent der Befragten melden eine mindestens befriedigende Geschäftslage; ein gleich großer Anteil rechnet 2017 mit unveränderten oder besseren Geschäften. Die zuletzt vor allem durch niedrige Zinsen und günstiges Öl gedopte Konjunktur verliert jedoch leicht an Dynamik. Der Fachkräftemangel wird zum Konjunkturrisiko.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator - er berechnet sich aus Lage- und Erwartungsurteilen –liegt bei 119 Punkten, und damit leicht über dem Wert des Herbstes 2015. Wie auch schon in den vergangenen Jahren hat sich das Klima aber wieder spürbar (- 5 Punkte) seit der letzten Befragung im Mai abgekühlt. Industrie, Handel und Dienstleistungen sind sich weitestgehend einig was die positive Bewertung der derzeitigen Lage betrifft. Am stärksten ist sie in der Bauwirtschaft ausgeprägt: 72 Prozent (!) melden hier ein „gut“, „schlecht“-Urteile gibt es dort keine.
Unterschiede weist der Blick auf das kommende Jahr aus. Während die Erwartungen der Industrie weiterhin recht hoch sind – der Saldo aus besser und schlechter beträgt hier immerhin 21,4 Prozent –, stellen sich Händler (-1,9%) und Dienstleister (-5,8%) auf ein Nachlassen der Geschäftsdynamik ein. Die guten Rahmenbedingungen für die Binnenkonjunktur haben an Wirkung verloren. Doch auch die exportierende Industrie macht Abstriche von ihrem noch zur Jahresmitte sehr freundlichen Ausblick. Vor dem Hintergrund widriger Bedingungen für das Geschäft mit den BRIC-Staaten und zähen Fortschritte bei den Freihandelsabkommen mit Kanada und den USA liegt der Antwort-Saldo von „mehr“ und „weniger“ Exporten bei 11,7 Prozent. Das ist zwar noch immer ein guter Wert, im Vergleich zum Jahresbeginn (24,1 %) sind die Erwartungen aber deutlich schwächer.
Erneut wird die Konjunktur auf Rückenwind von der Investitionsseite verzichten müssen. Das gilt besonders für Einzelhandel (Saldo von „mehr“ und „weniger“ geplanten Investitionen von -22,9 %) , Gütertransport (-31%) und andere Dienstleistungsbranchen (-9,8%). Doch auch in der Industrie ist die Investitionsneigung zwar positiv, aber gering (+1,6%). Hauptinvestitionsmotiv ist der Ersatz bestehender Anlagen, es folgten mit weitem Abstand Rationalisierung, Produktinnovationen und dann erst Kapazitätserweiterungen.
Auf die Stimmung drückt noch vor den Absatzsorgen und Arbeitskosten vor allem der Fachkräftemangel. Erstmals wird dieser Aspekt als größtes Konjunkturrisiko eingeschätzt.  Engpässe bei qualifiziertem Personal ist für 47 Prozent der Unternehmen im Kreis Soest das Hauptrisiko für die Wirtschaftsentwicklung. Sie wollen weiterhin Beschäftigung aufbauen, während im Hochsauerlandkreis die Zahl der angebotenen Arbeitsplätze nach den gegenwärtigen Planungen der Unternehmen zurückgehen könnte.
Personalengpässe melden die Unternehmen für jedes Qualifikationsniveau vom Ungelernten bis zum (Fach-)Hochschulabsolventen. Die Schwerpunkte liegen bei Mitarbeitern mit einer dualen Berufsausbildung sowie Fachwirten, Meistern und anderen Weiterbildungsabschlüssen. Besonders gesucht sind Mitarbeiter in technischen Berufen. Aber auch Kaufleute und IT-ler fehlen in vielen Unternehmen. Im Hochsauerland gibt es Engpässe bei Berufen im in der Gastronomie.
Bei den ergriffenen oder geplanten betrieblichen Gegenstrategien steht die Ausbildung ganz oben. 70 Prozent der Unternehmen verstärken hier ihr Engagement; 50 Prozent planen ihre Arbeitgeberattraktivität zu steigern, etwa gleich viele wollen zukünftig ihre Weiterbildungsinvestitionen erhöhen. 

 


Stefan Severin
Dipl.-Volkswirt
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