Wirtschaft in Herbststimmung

Das Klima in der heimischen Wirtschaft hat sich eingetrübt. Die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage zeigen eine gute aktuelle Lage, doch auch Vorboten einer Abkühlung. Der aus Lage und Erwartungen gebildete Klimaindikator ist von 133 Punkten im Frühsommer auf 106 gefallen. An der Umfrage haben sich rund 300 Unternehmen aus Industrie, Handel, Bauwirtschaft und unternehmensnahen Dienstleistungsbereichen beteiligt.

 

Die Konjunkturumfrage weist branchenübergreifend per Saldo eine derzeit gute wirtschaftliche Lage aus. Zum wiederholten Male zeigt sich die Bauwirtschaft, die zu 38 Prozent ihrer Situation ein „gut“ gibt, bei null Prozent „schlecht“(!), besonders zufrieden. Auch aus der Industrie (35 % gut, 20 % schlecht) werden nach wie vor gute Werte gemeldet. Allerdings kündigt sich auch schon bei der Lage ein negativer Trend an: Noch im Mai lag der gut/schlecht-Saldo insgesamt bei 39 Prozent, derzeit beträgt er 16.

   
Die heimische Wirtschaft sieht für die kommenden Monate teilweise noch dunklere Wolken am Konjunkturhimmel aufziehen. Besonders im Hochsauerlandkreis, namentlich im Handel, in der Bauwirtschaft und bei unternehmensnahen Dienstleistern, gibt es viel Pessimismus. Optimistisch gibt sich hier allerdings die Industrie: 27 Prozent der Produktionsbetriebe blickt hier positiv in die nahe Zukunft, nur 11 Prozent negativ.
Ganz anders die Kollegen im Kreis Soest. Zwar sind dort die Aussicht insgesamt etwas freundlicher – 24 Prozent prognostizieren bessere und 25 Prozent schlechtere Geschäfte. Allerdings trüben am Hellweg Industrie und unternehmensnahe Dienstleistungen den Blick in die Zukunft. 

 

Das Süd-Nord-Gefälle in der Industrie bestätigt die amtliche Statistik (IT.NRW). In den ersten acht Monaten dieses Jahres erwirtschafteten die Betriebe im Sauerland ein Umsatzplus zum Vorjahreszeitraum von 3,4 Prozent, im Exportgeschäft legte man um 2,8 Prozent, im Inland um 3,8 Prozent zu. Im Kreis Soest gab es hingegen im gleichen Zeitraum ein Minus von 2,5 Prozent, bewirkt vor allem durch eine rückläufige Entwicklung beim Export (-6,1 %). Doch auch die Inlandskonjunktur bereitet den Unternehmen Sorgen und hier besonders der private Verbrauch. Konnte in früheren Zeiten eine Nachfrageschwäche im Inland oft durch einen starken Export ausgeglichen werden, so gelingt das zur Zeit nicht. Krisen und Kriege wie in der Ukraine, im Gaza oder in Syrien sowie die Sanktionen gegenüber Russland bremsen deutlich die Exporterwartungen. Den 23 Prozent, die mit einem weiteres Plus bei den Ausfuhren rechnen, steht ein gleich großer Anteil derer, die ein Minus erwarten gegenüber. Zwar steht damit nicht zu befürchten, dass der Export einbrechen wird, aber die Ausfuhrvolumina werden kleiner.  Noch im Frühsommer lag das Verhältnis bei 42 zu 13 Prozent
Die schlechten Geschäftsaussichten drücken die auch die Investitions- und Beschäftigungsplanungen. Rund ein Viertel der Unternehmen werden ihre Investitionen drosseln, zwanzig Prozent weiten sie aus.
61 Prozent der Unternehmen investieren in den Ersatzbedarf, 36 Prozent in Rationalisierungsmaßnahmen und in 28 Prozent der nur Unternehmen werden Kapazitäten ausgeweitet.
Ähnlich das Bild bei den Personalplanungen: Knapp zehn Prozent stellen mehr und 22 Prozent weniger als in den vergangenen Monaten ein.
Gefragt nach den größten Konjunkturrisiken entfallen neben der Inlandsnachfrage die meisten Stimmen auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Der Politik trauen die Unternehmen offenbar kaum Impulse für nachhaltiges Wachstum zu.
„Energie- und Rohstoffpreise“, zuletzt als Risikofaktor stets auf dem ersten Platz, rangiert nur noch auf Platz drei.

 

 

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