Konjunkturumfrage

Boom am Bau

Die regionale Konjunktur hat sich zum Herbst leicht abgekühlt. Mit 107 Punkten verheißt der aus Lage- und Erwartungsurteilen der Unternehmen gespeiste Klimaindex der IHK Arnsberg jedoch weiterhin robustes Wachstum.

 

Das Beste vorweg: Fast 80 Prozent der Unternehmen in der Baubranche geben ihrer derzeitigen Wirtschafts- und satte 93 Prozent ihrer Auftragslage ein „gut“. Damit führt der Bau das Ranking bei der wirtschaftlichen Situation deutlich vor dem Großhandel (40 % „gut“; 11 % „schlecht“), den unternehmensnahen Dienstleitern (27 %; 21 %) und der Industrie (19 %; 18 %) an. Mehrheitlich negative Bewertungen über ihre Lage geben der Einzelhandel (31 %; 33 %) und das Gütertransportgewerbe (19 %; 22 %) ab.
Die Einzelergebnisse für die aktuelle Lage zusammen genommen ergeben ein insgesamt positives Bild. Allerdings zeigt der Trend nach unten. Noch zu Jahresbeginn lag der Saldo von „gut/schlecht“ bei 23,4 Prozent. Er ist geschrumpft auf 9,4 Prozent. Neben den Geschäftsvolumina sind auch die Erträge zurückgegangen. 39 Prozent der Unternehmen melden, dass sich die Gewinnmargen seit vergangenem Jahr verschlechtert haben. Abgesehen von der Baubranche gilt das für alle Sparten, besonders deutlich für die Industrie.
Apropos Industrie. Derzeit tritt das verarbeitende Gewerbe etwas auf der Stelle. Laut amtlicher Statistik liegt der Umsatz in den ersten acht Monaten in etwa auf Vorjahresniveau. Ein leichtes Plus beim Export steht ein kleines Minus im Inlandsgeschäft gegenüber. Ohnehin ist das Auslandsgeschäft für die Wirtschaft im Allgemeinen und für die Industrie im Besonderen wichtiger Impulsgeber. Und das wird sich – so die Einschätzung vieler Unternehmen – auch so bald nicht ändern. 36 Prozent der Industriebetriebe geht von weiter anziehenden Auslandsgeschäften aus, 21 Prozent erwarten einen Rückgang.
Die guten Aussichten beim Auslandsgeschäft sind bestimmend für die Erwartungen in der Industrie, wo sich 34 Prozent vor einer positiven Entwicklung sehen und 22 Prozent vor einer schlechteren, sowie im Großhandel (33 %; 12 %). Binnenwirtschaftlich ausgerichtete Branchen wie der Einzelhandel (11 %; 14 %) und die Bauwirtschaft (4 %; 16 %) blicken skeptischer in die Zukunft.
Ohnehin bereitet das Inlandsgeschäft den Unternehmen Sorgen. Es wird als nach den Energie- und Rohstoffpreisen zweitgrößtes Konjunkturrisiko gesehen. Um einen Platz auf Rang drei rutscht der Faktor „wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen“. Offenbar sehen die Unternehmen in den zunächst unklaren politischen Mehrheitsverhältnissen in Berlin nur wenig Gefahr für die Konjunktur.
Angesichts der Sorge um die Binnenwirtschaft bleibt der erhoffte Investitionsschub wohl vorerst aus. Lediglich in der Bauwirtschaft und im Großhandel wird per saldo das Investitionsvolumen steigen. Zwei von drei Unternehmen investieren in den Ersatzbedarf. Zweitstärkstes Motiv ist die Rationalisierung.
Besonders positiv bei der Auswertung der Frage nach den Investitionsmotiven fällt das Kriterium „Produktinnovation“ auf, das von jedem dritten Unternehmen angekreuzt wurde. Einmal mehr zeigt sich hier die Innovationsstärke der heimischen Wirtschaft.
Ganz ähnlich sieht es bei der Beschäftigung aus. Nur am Bau und in den Handelssparten wird der Personalstamm aufgestockt. In der Industrie plant ein Viertel, bei unternehmensnahen Dienstleistern fast ein Drittel mit weniger Beschäftigten.
Die Region Hellweg-Sauerland weist ein deutliches Nord-Süd-Gefälle auf. Zwar geben die Sauerländer ihrer Lage (29 % „gut“; 18 % „schlecht“) eine bessere Note als die Unternehmen am Hellweg (26 %; 19 %), doch ist im Kreis Soest der exportgetriebene Optimismus ungleich stärker (35 %; 16 %) als im Hochsauerland (16 %; 21 %). 

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